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The Great Wall
The Great Wall
© Universal Pictures International Germany

Kritik: The Great Wall (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"The Great Wall" ist der teuerste chinesische Film, der je in englischer Sprache gedreht wurde. Die chinesisch-amerikanische Ko-Produktion wurde vom asiatischen Star-Regisseur Zhang Yimou inszeniert. Yimou machte sich – weit über die Grenzen Chinas hinaus – mit visuell beeindruckenden, spirituell aufgeladenen Werken wie "Hero" oder "House of Flying Daggers" einen Namen. Zunächst war Edward Zwick ("The Last Samurai") als Regisseur im Gespräch, der auch wie Yimou Erfahrung in der (filmischen) Zusammenführung der asiatischen und westlichen Welt hat. Ebenfalls bringt die Blockbuster-Produktion Hollywood-Stars (Matt Damon, Willem Dafoe) mit bekannten asiatischen Darstellern (u.a. Andy Lau, Eddie Peng) zusammen.

Obwohl der Film mit seiner überraschungsarmen Handlung, der vorhersehbaren Dramaturgie inkl. ohne nennenswerte Wendungen sowie der vielen spektakulären Kampfszenen klar auf ein Massenpublikum ausgelegt ist, erkennt man doch meist die Handschrift von Yimou. Nämlich die für ihn so typischen Erkennungsmerkmale hinsichtlich Farbgebung und Action-Inszenierung. "The Great Wall" ist optisch betörend. In gestochen scharfen Edel-Aufnahmen ergeht sich Yimou u.a. in seinem Hang zur epischen Ausgestaltung spektakulärer, körperbetonter Kämpfe. Diese kommen ebenso rasant wie anmutig (bei Yimou kein Widerspruch) daher und erscheinen mal in Zeitlupe und mal in rasanten Kamerafahrten auf der großen Leinwand.

Kaum ein Filmemacher versteht sich so gut darin, Action- und Kampfszenen derart aufwendig zu choreografieren sowie so sinnlich und ästhetisch, aussehen zu lassen. Das war bereits in "Hero" so, und auch in "Great Wall" stellt die Action das Highlight dar. Wobei man sagen muss: jene Szenen gestalten sich deutlich brutaler und brachialer als in seinem Meisterwerk aus den frühen 00er-Jahren. Und wie erwähnt ist auch die Farbsymbolik wieder hoch und ein wichtiges Element im Film. So kann man sie z.B. als Erkennungsmerkmal für bestimmte Eigenschaften, Werte und der Zugehörigkeit zu Rängen innerhalb der Armee, deuten. So weit wie in "Hero", dass er einzelne dramaturgische Leitfarben für die jeweiligen Episoden einsetzt, geht er zwar nicht. Dennoch sind sie für die rein visuelle Pracht und Schauwerte des Films wichtig, so z.B. in einer Kampfszene innerhalb der Mauer.

Überhaupt: in "The Great Wall" geht es deutlich mehr um die Schale als um den Kern, heißt: alles muss möglichst schön und gut und spektakulär aussehen. Inhaltliches, Figurentiefe sowie Charakterzeichnung und die Einbettung chinesischer Tradition, Historie und Kultur, werden ein wenig vernachlässigt. Immerhin: Yimou lässt "The Great Wall" nicht zur völligen Zurschaustellung maskuliner Stärke und männlichen Muts verkommen. Denn auch Frauen – sogar in teils hoher Stellung – sind Teil der Armee und beweisen Schlagkraft sowie Ausdauer im Kampf gegen die (durchwachsen animierten) Monster aus den Bergen.

Fazit: Mehr Schein als Sein – optisch ist "The Great Wall" sehenswert und gelungen. Mit betörenden Schauwerten, Rasiermesser-scharfen, edlen Bildern und imposanten Schlachtszenen, vermag er visuell voll zu überzeugen. Dramaturgie, Handlung und Figurenzeichnung fallen hingegen deutlich ab.





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