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Die Abenteuer des Huck Finn
Die Abenteuer des Huck Finn
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Die Abenteuer des Huck Finn (2012)


Manche mögen ihn aus einer TV-Serie wieder erkennen. Jungdarsteller Leon Seidel, der in Hermine Huntgeburths Fortsetzung der Literaturverfilmung "Die Abenteuer des Huck Finn" von Mark Twain jenen Huck Finn verkörpert, hatte in "Stromberg" seine Bildschirmpremiere, als er Rotzlöffel Helge spielte, dessen Mutter vom "besten Chef der Welt" umschwärmt wurde. Als Zeichen seiner Menschlichkeit hatte Stromberg die Fürsorge für den kleinen Racker für einen Tag übernommen - und feststellen müssen, dass Kindergroßziehen kein "Zuckerschlecken" ist. Seidel überzeugte als "kleines Arschloch", konnte so auf sich aufmerksam machen.
Das war 2009. Insgesamt drei Auftritte in der ProSieben Erfolgsserie und einen Platz bei den "Teufelskickern" später, saß Seidel bei Huntgeburths erstem Abenteuerfilm "Tom Sawyer" mit im Boot. Im zweiten Teil (wiederum inszeniert von der deutschen Regisseurin) darf Seidel nun vermehrt die erste Geige spielen, wenn "Die Abenteuer des Huck Finn" Themen wie Geld, Sklaverei, Freundschaft und Loyalität anspricht.

In Twains zweiten Roman geht es in der Tat rauer zu, als in der ersten Abenteuergeschichte. Davon ist in der Verfilmung nicht viel zu spüren, vor allem weil der Film sich uneins darüber ist, in welche Richtung er nun gehen soll. Für einen reinen Kinderfilm wird überraschend viel geflucht, während der jugendgerechte Humor häufig glattgebügelt abfällt. Manchmal, wenn auch nur sehr vage, blitzt der Charme der Romanvorlage auf. Dann ist es mehr als nur ein oberflächlicher Kinderfilm. Dann möchte Huntgeburths Werk weniger "Die wilden Kerle", dafür mehr "Mark Twain" sein. Doch das geschieht zu selten.

Dass sich ausgerechnet Charakterdarsteller August Diehl für die Rolle des versoffenen Vater von Huck Finn gemeldet hat, könnte, nach der Popularität des Schauspielers zu urteilen, vor allem an der Gage gelegen haben. Aber egal welche Gründe Diehl hatte: Der Film profitiert von seiner Anwesenheit. Trotz hinderlicher Maske, die Diehl in der Tat unkenntlich macht, strahlt der Schauspieler diabolische Präsenz aus und kann dank seiner Hingabe gar einen charismatischen Bösewicht abgeben. Besonders sein Spielchen mit den drei Kopfgeldjägern, um schlussendlich die Beute für sich zu ergattern, hat es in sich. Schön in Szene gesetzt ist es auch, wenn Huck Finn und sein Freund Jimmy durch Zufall auf einem halb versunkenen Dampfer die vier zwielichtigen Gestalten treffen. In diesen Momenten spielt "Die Abenteuer des Huck Finns" seine größten Stärken aus. Nicht nur, weil Spannung und Atmosphäre sich aufbauen können, sondern weil der Film an diesen Stellen keinen Einheitsbrei präsentiert. Dann geht es so ruppig zu, wie es sich für einen Huck Finn eben gehört.
Doch so ruppig auch die Sprache, das viele Schimpfen und der unbarmherzige Umgang mit den Sklaven, viel zu oft fährt sich der Film selbst in die Parade. Beispielhaft bleiben die drei Kopfgeldjäger, die natürlich mit ihrem albernen Slapstick bei den Kleinen für Lacher sorgen werden, insgesamt damit aber unterstreichen, dass hier nicht wirklich "Huck Finn" adaptiert, sondern ein deutscher Kinderfilm von der Stange produziert wurde. So kann wenig bis kaum Magie oder Spannung aufkommen. Da kann auch ein solides Setting nicht für Stimmung sorgen. '

Als einfacher Kinderfilm aber kann Huck Finn mit den vielen simplen Botschaften, die an die junge Zielgruppe gebracht werden, durchaus alle Register ziehen. Freiheit, Toleranz, Loyalität und die hohe Bedeutung echter Freundschaft waren auch schon die Kernthemen der Buchvorlage und werden genauso auf der Leinwand präsentiert. Jungdarsteller Seidel füllt seine Rolle aus, kann als Rotzlöffel mit Herz überzeugen und im Duo mit Schauspieler Jacky Ido für lustige Momente sorgen.

Fazit: Solides Handwerk, solides Machwerk: "Die Abenteuer von Huck Finn" zeigt, dass man grandiose Romanvorlagen auch ganz einfach zur Massenware ummünzen kann. Doch mit August Diehl und einigen charmanten Szenen kann der Film auf jeden Fall den kleinen Zuschauern empfohlen werden. Trotz wüster Schimpfereien.





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