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Sushi in Suhl (2011)

Deutsche Tragikomödie nach wahren Begebenheiten: In der Gaststätte "Waffenschmied" verläuft ein japanischer Abend in asiatischem Ambiente so erfolgreich, dass Koch und Gastronom Rolf Anschütz der gut bürgerlichen DDR-Küche abschwört und das erste (und einzige) japanische Restaurant der DDR gründet...User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 10 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Rolf Anschütz (Uwe Steimle) ist Koch und Gastronom aus Leidenschaft und bietet in seiner Gaststätte "Waffenschmied" in Suhl gut bürgerliche DDR-Küche an. Doch Anschütz vergeht immer mehr die Lust am Zubereiten von Klößen und Gulasch. Die regionalen Speisen langweilen ihn zunehmend. Heimlich träumt er von besonderen, ausgefallenen kulinarischen Köstlichkeiten, mit denen er seine Gäste verzaubern will. Aus Spaß wagt Anschütz ein Experiment: Inspiriert vom Buch "Die Küchen der Welt" inszeniert er für Freunde einen japanischen Abend. Er serviert japanisches Essen und schafft ein passendes asiatisches Ambiente. Als kurz darauf die Lokalzeitung über dieses Ereignis berichtet, ist Anschütz plötzlich Gesprächsthema Nummer eins. Kurz darauf steht sogar ein echter Japaner vor seiner Tür und will seine Gerichte kosten. Anschütz schafft es, den Gast aus Fernost zu überzeugen und bald speisen ganze japanische Delegationen im "Waffenschmied". Auch den Einheimischen schmeckts und das "Waffenschmied" steigt allmählich zum Nummer-Eins-Restaurant auf, in dem man zwei Jahre im Voraus buchen muss. Da sieht die Partei die einmalige Möglichkeit, das Restaurant auch für ihre politischen Ziele zu nutzen.

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Sushi in SuhlSushi in Suhl - Rolf Anschütz (Uwe Steimle) ist Koch...mied'Sushi in Suhl - Im japanischen Furo-Bad wäscht man...gste.Sushi in Suhl - Auch HO-Direktorin Malaschke (Deborah...ackt.Sushi in Suhl - Die HO-Suhl feiert ihr Jubiläum:...mann)Sushi in Suhl - Geisha Giesela (Ina Paule Klink) und...äste.


Filmkritik

So kurios und unglaubwürdig die Geschichte um den Koch Rolf Anschütz aus Suhl klingt – sie beruht auf wahren Begebenheiten. In "Sushi in Suhl" erzählt Regisseur Carsten Fiebeler ("Kleinruppin forever") die unglaubliche Geschichte vom ersten und einzigen Japan-Restaurant der DDR. Mit seinen japanischen Speisen und dem fernöstlichen Ambiente in seinem Restaurant begeisterte Anschütz schnell die einheimischen und japanischen Gäste. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität durfte der "Dreivierteljapaner", wie Anschütz sich gerne bezeichnete, selbst nach Japan reisen und wurde sogar vom Kaiser Hirohito persönlich empfangen. Zähneknirschend musste die Partei Anschütz und die neue kulinarische Ausrichtung des "Waffenschmied" dulden. Fiebeler erzählt diese Geschichte mit viel Witz, Ironie und einem herausragenden Hauptdarsteller in der Rolle des außergewöhnlichen Kochs Rolf Anschütz, der mit seinen Speisen weit über die Grenzen seiner sozialistischen Heimat hinaus bekannt werden sollte.

"Sushi in Suhl" ist keine gängige Ost-Komödie. Im Mittelpunkt steht weder ein typischer "Ossi" noch versucht der Film, melancholische Ostalgie-Gefühle beim Zuschauer hervorzurufen. Der Film erzählt eine deutsch-deutsche, auf Tatsachen beruhende Geschichte, die fast zu kurios ist um wahr zu sein. Doch sie ist wahr und Regisseur Fiebeler findet für ihre filmische Umsetzung genau die richtige Mischung aus heiteren und ernsten Tönen. Es ist (im wahrsten Sinne des Wortes) köstlich mit anzusehen, wie sich Anschütz für die fernöstlichen Speisen und die Kultur begeistert und sich seine eigene kleine, japanische Welt inmitten des grauen, tristen Sozialismus erschafft - und damit schnell die Menschen begeistert. Mit großer Leidenschaft, viel Liebe zum Detail und Akribie bereitet er Sushi und gebratenen Reis zu, und dem Zuschauer läuft dabei nicht nur einmal das Wasser im Munde zusammen.

Ernste Töne stimmt der Film dann verstärkt ab der Hälfte an, wenn Anschütz merkt, dass er sich durch die ganzen Ereignisse zunehmend von seiner Familie entfremdet hat. Erst sehr spät stellt der Koch fest, dass seine Heimat bei aller Liebe und Begeisterung für die japanische Kultur, Traditionen und die Speisen doch die DDR ist. Dabei ist der Film zu jeder Zeit sehr gefühlvoll aber nie zu kitschig geraten – selbst am Ende nicht, wenn Anschütz in Japan bewusst wird, dass er in der DDR und nicht in Japan zu Hause ist. Zu verdanken ist dieser Umstand auch Hauptdarsteller Uwe Steimle, der eine beeindruckende One-Man-Show abliefert. In seinem Spiel findet sich genau die richtige Mixtur aus Tragik und Komik, die auch den Film auszeichnet. Dabei verkörpert Steimle seinen Anschütz angenehm zurückhaltend. Anschütz kommt als unauffällige, zurückhaltende Figur daher, die selbst dann nicht den Boden unter den Füßen verliert, als sich das Restaurant zu einem der bekanntesten des Landes entwickelt. Das führt dazu, dass man als Zuschauer über den kompletten Zeitraum des Films mit Anschütz sympathisiert und ihm gespannt auf seinem Weg zum berühmten Gastronomen folgt.

Fazit: "Sushi in Suhl" erzählt mal komisch und heiter, mal ernsthaft und nachdenklich die unglaubliche Geschichte vom ersten Japan-Restaurant der DDR und macht den Zuschauer auf sympathische Art mit einem bis dahin wenig bekannten Kapitel der DDR-Geschichte vertraut.




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Land: Deutschland
Jahr: 2011
Genre: Tragikomödie
Länge: 100 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 18.10.2012
Regie: Carsten Fiebeler
Darsteller: Deborah Kaufmann, Michael Kind, Ernst-Georg Schwill
Verleih: Movienet

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