VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Sinister
Sinister
© Summit Entertainment

Kritik: Sinister (2012)


Ein Autor zieht gemeinsam mit seiner Familie – Mutter, Tochter, Sohn – in eine neue Umgebung, um endlich wieder einen Bestsellerhit zu schreiben, um endlich aus der Lethargie der letzten Misserfolge aufzuwachen. Ein aufwendiger Umzug, ein neues Haus und endlich eine neue Kriminalgeschichte, die für Ethan Hawke alias Ellison die zweite große Karriere bedeuten soll. Doch der Buchautor bekommt mit der Geschichte seine Probleme, Angst-, wie Wahnzustände gesellen sich hinzu, was schließlich zu Paranoia und Realitätsverlust führt. Oder spielt eine andere Macht etwa ihr Spielchen?
Wer bei dieser Storyline an "The Shining" von Altmeister Stanley Kubrick denken muss, wird damit nicht allein dastehen. Denn der neue Horror-Film "Sinister" aus der Produktionsschmiede der "Paranormal Activity"-Filme schreit förmlich danach, mit der großen Steven King-Verfilmung verglichen zu werden.

Eine Super 8-Kamera, unzählige Videokassetten. Was Ethan Hawke als Ellison auf dem Dachboden findet, macht ihn stutzig. Wer hat diese Kiste hier hinterlassen? Diese Super 8-Kamera macht Regisseur Dericksson zum Auslöser und Symbol für Ellisons Angst und Paranoia: Der zunehmend psychopathisch wirkende Autor legt immer wieder die Bänder ein, ergreift von ihnen Besitz, wie sie von ihm Besitz ergreifen. Besonders schön inszeniert: Das sorgfältige Einlegen der Bänder gerät beinahe zu einem religiösen Ritual.
Die Aufnahmen zeugen von wahrem Horror und besonders zynisch sind die Überschriften zu den einzelnen Filmen, die ein unbekannter Mörder hinterlassen hat: "Barbecue with the family" heißt ein Video, welches eine Familie zeigt, die bei lebendigem Leib in ihrem Auto verbrennt. Dericksson etabliert hier eine auf guter Drehbucharbeit basierende, zunehmend beklemmende Stimmung. Während Buchautor Ellison immer häufiger an Angstzuständen leidet, die nachts über ihn hereinbrechen, bleibt der Ausgang der Geschichte lange im Dunkeln. Dadurch entsteht anziehende Spannung, die in Kombination mit dem wohl dosierten Horror für einen elektrisierenden Film sorgt.
Für den weiteren Verlauf bieten sich lange viele Möglichkeiten: Haben wir es mit einem Psychopathen zu tun, jemandem, der scheinbar perfekte Familien tötet, weil er vielleicht selbst nie das Glück empfand, welches er als heimlicher Voyeur filmt? Sind die vermissten Kinder der toten Familien Opfer eines Kinderschänders oder leben sie gar noch? Oder leidet Buchautor Elision nur unter dem dauerhaften Druck einen guten Roman schreiben zu müssen und verliert sich in Paranoia und Stresszuständen?

Juliet Rylance als Ellisons Ehefrau Tracy zeigt sich im Gegensatz zum Vorbild "The Shining" als eine starke Frau, die ihren Mann aufwecken will, ihn von seiner Last befreien mag und seinen äußerlichen wie innerlichen Verfall zu stoppen versucht. Aber der bekommt immer weniger Schlaf, trinkt immer mehr Whiskey und hat immer häufiger Wahnvorstellungen. Und mittendrin: Die Super 8-Kamera.

Da Regisseur Dericksson ein sehr gutes Gespür für Ton und Licht hat, gelingen ihm die meisten Szenen. Manche, in denen Hawke in absoluter Dunkelheit durch seine Wohnung laufen zeigen, strotzen nur so vor Genretypischen Stilmitteln - vom Einsatz der Musik bis hin zum alles entscheidenden Schock-Moment. Ausbaupotential ist dennoch vorhanden (einige Masken sehen zum Beispiel auffällig schlecht gemacht aus). Doch die kleinen Abzüge in der B-Note ändern nichts am guten Gesamteindruck: Derickssons Schocker ist ein insgesamt unterhaltsamer Genre-Beitrag, .der alle Register für einen wahrhaft gruselig und subtil inszenierten Horrorfilm zieht, auf jegliche Folterinstrumente der "Saw" Linie verzichtet und das Grauen mit viel Fingerspitzengefühl in den Köpfen der Zuschauer platziert.

Den Reiz des Films macht aber die Kombinaton aus "The Shining"-ähnlichen Elementen, die dank eines sehr gut aufgelegten Ethan Hawke funktionieren, und einer wegen der Super 8-Kamera an das japanische Horrorfeuerwerk "The Ring" erinnernden Story aus. So ist "Sinister" ein munterer Spaß, konsequent zu Ende gedacht und mit einem überraschend guten Drehbuch, dem am Ende ein schöner Twist gelingt - der Zuschauer wird gleichzeitig überrascht, wie er sagt: Nur so konnte der Film enden. Und Dericksson benötigt dafür keinen Folterporno, sondern ausschließlich viel subtilen und gut eingesetzten Thrill.

Fazit: "Sinister" setzt mit einem tollen Hauptdarsteller auf den subtilen und in den letzen Jahren vergessenen Spannungs-Horror und verzichtet auf Gewalt-Pornos. Dafür mit einem gelungenem Drehbuch, einem guten Regisseur und einem konsequenten Ende. Auch mit Abstrichen in der B-Note überaus sehenswert!




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.