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Grace of Monaco
Grace of Monaco
© SquareOne/Universum

Kritik: Grace of Monaco (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Die Vorstellung, dass mein Leben ein Märchen sei, ist an sich schon märchenhaft." Mit diesem Zitat von Grace Kelly eröffnet Regisseur Oliver Dahan sein Biopic "Grace of Monaco", in dem er von schicksalshaften Jahren im Leben einer Fürstin erzählt. Der Film setzt im Jahr 1956 am Set der Dreharbeiten zu Grace Kellys letztem Film "Die oberen Zehntausend" ein. Die Kamera folgt ihren Bewegungen und zunächst ist sie nur von hinten zu sehen. Dann setzt sie sich in ihrer Garderobe vor ihren Spiegel und in dem Spiegel erblickt der Zuschauer zum ersten Mal ihr Gesicht. Mit diesem Einstieg gibt der Film bereits seinen Tenor vor: Im Folgenden wird er vor allem über das Bild erzählt, dass sich die Menschen in Monaco und dem Rest der Welt, der Fürst (Tim Roth) und seine Vertrauten aber auch Grace Kelly (Nicole Kidman) selbst von ihrer Persona machen werden. Da sich Dahan voll und ganz auf die gängige Interpretation verlässt, dass Grace in ihrem Leben stets verschiedene Rolle spielte, unter denen der Hollywoodstar und die Fürstin die zwei größten waren, springt der Film nun sechs Jahre weiter: Grace und Rainier haben zwei Kinder, aber die Monegassen akzeptieren ihre Fürstin ebenso wenig die Angestellten im Schloss. Und auch Grace hat ihre neue Rolle noch nicht gefunden, sondern träumt von einer Rückkehr nach Hollywood. Doch Monaco steht vor einer großen Krise: der französische Staatspräsident will zur Finanzierung des Krieges in Algerien verhindern, dass sich weiter französische Unternehmen in Monaco ansiedeln und eine Gesamtbesteuerung durchsetzen, die an Frankreich abzuführen ist. Rainier will sich auf diese Erpressung nicht einlassen, hat aber den Drohungen kaum etwas entgegenzusetzen. Und genau in diesem Moment erhält Grace das Angebot, in Hitchcocks nächstem Film "Marnie" mitzuspielen. Also muss sie sich entscheiden: Will sie in ihrer neuen Rolle als Fürstin aufgehen oder doch wieder nach Hollywood zurückkehren?

Nach eigener Aussage hat sich Oliver Dahan an dem amerikanischen Kino der 1960er Jahre orientiert und dementsprechend konventionell und altbacken ist die Inszenierung. Es gibt zu viele lange Sequenzen, in denen die Kamera vornehmlich der Protagonistin durch die Gänge des Schlosses folgt oder ihr Gesicht in Close-ups zeigt. Hinzu kommt penetrante, jede Szene untermalende Musik, die suggeriert, der Filme hangele sich von Höhepunkt zu Höhepunkt. Stattdessen aber verharrt er in seiner Verehrung für Fürstin Grace, die durch keine Misstöne getrübt werden soll. Auch Nicole Kidman, die ihre Sache gut macht – und besser als viele erwartet haben – kann dieser Figur nicht viel mehr als äußere Ähnlichkeit hinzufügen. Daher ergründet der Film Graces Charakter nicht, liefert kein Psychogramm einer Frau, die gewillt ist, ihrem Leben als Fürstin einen Sinn zu verleihen, sondern bleibt schön an der Oberfläche und deutet stattdessen ein mögliches Spionage-Drama an, an dem die üblichen verdächtigen Hofschranzen beteiligt sind – mit gähnend vorhersehbarem Ausgang. Auch der Druck von Frankreich wird zu einem Szenario überhöht, das Europa und die ganze Welt an den Rand eines dritten Weltkriegs führte, obwohl die verhandelten Themen durchaus auch heute von Interesse wären: Monaco ist weiterhin ein Steuerparadies für die Reichen und Superreichen der Welt, aber hier wird Kapitalismus mit Freiheit gleichgesetzt. Und schließlich hätte Dahan den Fokus auch auf den Konflikt zwischen den Kulturen legen können – eine amerikanische Schauspielerin in einem europäischen Adelshaus hätte sicher heute noch mit den Traditionen und Gepflogenheiten Schwierigkeiten, vor über 40 Jahren waren sie noch größer und hätten mehr Aufmerksamkeit als kurze Szenen mit einer Hofdame sowie dem Hinweis, sie solle nicht immer sagen, was sie denke, verdient. Stattdessen aber gibt es einen geschmacklosen Hinweis auf Grace Kellys Tod, durch den suggeriert wird, sie sei aus Wut immer zu schnell gefahren – und die vermeintlich einfache Lösung, dass sie ihren inneren Frieden durch Selbstaufgabe erreicht.

"Grace of Monaco" ist somit vor allem ein Ausstattungsfilm, in dem Nicole Kidman in wunderbaren Kleidern, mit äußert eleganten Brillen und meist hübsch frisiert anzusehen ist. Auch ist die Chemie zwischen ihr und Tim Roth besser als anzunehmen war – allerdings weiß das Drehbuch mit Fürst Rainier kaum etwas anzufangen. Deshalb steht er die meisten Zeit rauchend und mit nachdenklichem Blick in Türrahmen. Somit bleibt am Ende die Erkenntnis, dass Grace Kellys Leben wohl kein Märchen war. Was es aber stattdessen war, darauf weiß auch dieser Film keine Antwort.

Fazit: Eine hübsch anzusehende Nicole Kidman gibt ihr Bestes, aber auch sie kann nur wenig gegen die altbackende Inszenierung und das einfallslose Drehbuch ausrichten.





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