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Macho Man
Macho Man
© Universum Film © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Macho Man (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nach "Maria, ihm schmeckt's nicht!" spielt Christian Ulmen erneut einen Deutschen, der liebesbedingt einen Kulturschock erleidet: Diesmal ist seine Verlobte keine Italienerin, sondern eine Türkin, aber auch sie hat eine große Familie, mit deren Sitten er fremdelt. Die Komödie basiert auf dem gleichnamigen autobiografischen Bestseller von Moritz Netenjakob, der sich als Autor von Comedy-Shows und TV-Serien ("Stromberg") auf witzig pointiertes Erzählen versteht. Das Regiedebüt des Kameramanns Christof Wahl aber sticht weniger durch seinen recht belanglosen Inhalt hervor, als durch seine grelle Präsentation mit zuckenden Schnittfolgen und lauter Musik.

Von dem, was den Roman reizvoll machte, bleibt im Film nicht mehr viel übrig. Beispielsweise fehlen die lustigen Szenen, in denen Aylins Mutter Daniel immer wieder den Teller auffüllt, kaum, dass er ihn mit Müh und Not leergegessen hat. Erst später erfährt er, dass es sich bei der Tortur um ein Missverständnis handelte. Im Film erschöpft sich die Funktion von Aylins Eltern (Vedat Erincin, Lilay Huser), wie auch die der meisten anderen Personen, in klischeehaften Kurzauftritten. Die Figur von Aylins Bruder Cem (Dar Salim), der im Buch durch prolliges Gehabe auffällt, ist im Film deutlich zum Attraktiven und Sympathischen hin geglättet. Ulmen selbst tauscht seine übliche Rolle als gehemmter, leicht tollpatschiger Typ zeitweise gegen die eines regelrechten Machos aus. Er benimmt sich auf einmal so, wie er türkische Männer wahrnimmt, trägt einen glänzenden schwarzen Anzug und spuckt große Töne. Generell sind die Charaktere sehr plakativ angelegt, wie für Sketch-Auftritte und nicht als Personen mit glaubwürdigen Gefühlen. So gibt es auch einige allein auf den Moment angelegte Gastrollen wie die von Nora Tschirner und Lukas Podolski.

Was die Inszenierung inhaltlich versäumt, versucht sie stilistisch wieder wettzumachen, wobei sie viel zu dick aufträgt. Der Erzählfluss wird häufig durch eigenwillige Schnitte unterbrochen, die zurückspringen und damit das eben Gesehene infrage stellen. Oder das Bild wird in sekundenschnelle Zuckungen versetzt, als handele es sich um eine Tanz-Performance. Das schreit nach Aufmerksamkeit, wie eine pulsierende Neonreklame, verwandelt die ganze Handlung aber auch in etwas Künstliches. Auch die Musikbegleitung wirkt wie eine Daueranimation, die die Leute auf Touren bringen oder wenigstens zum flotten Abnicken motivieren will. Der Spaßfaktor bleibt jedoch insgesamt unterdurchschnittlich.

Fazit: Die Komödie mit Christian Ulmen als deutschem Softie, der sich in eine Türkin verliebt und plötzlich mit Macho-Allüren experimentiert, beschränkt sich auf plakative Sketche und kann mit ihren Charakteren nicht viel anfangen. Aus der gleichnamigen Buchvorlage ist ein Film geworden, der sich mit auffälligen Schnitten und üppiger Musik beim jungen Publikum anbiedern will.




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