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Kritik: Song to Song (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1943 geborene US-Autorenfilmer Terrence Malick ist ein großer Kino-Poet. Dies demonstrierte er bereits in seinem wuchtigen Langfilm-Regiedebüt "Badlands" (1973) – und daran ließen auch seine ersten Werke, die nach einer 20-jährigen (!) Schaffenspause entstanden, etwa "Der schmale Grat" (1998) oder "The Tree of Life" (2011), keinen Zweifel. Seine letzten beiden Arbeiten im fiktionalen Bereich – "To the Wonder" (2012) und "Knight of Cups" (2015) – waren indes höchst umstritten: Der darin präsentierte Mix aus hochkarätiger Besetzung, improvisiertem Spiel, Voice-over-Gedankenströmen und musikalisch unterlegtem Bilderfluss kann entweder als tiefgründig oder als kitschig empfunden werden, hat aber in jedem Fall eine gewisse hypnotische Wirkung. So ist es nun auch mit "Song to Song", welcher in der texanischen Musikszene angesiedelt ist, allerdings keine klassische Milieustudie bietet, sondern sich erneut diversen einsamen Seelen und deren Suche nach Sinn und Erfüllung widmet.

Abermals hat sich der Ausnahmeregisseur mit dem höchst talentierten Kameramann Emmanuel Lubezki ("Children of Men", "Gravity") zusammengetan, um berückende Naturaufnahmen, vor allem jedoch eindrückliche Bilder vom ekstatisch-lebhaften Treiben auf Musikfestivals, von mondänen Poolpartys sowie vom sinnentleerten Dasein in Villen und Luxuswohnungen zu kreieren. Wie das Duo flatternde Schmetterlinge, eine Mexiko-Reise zu dritt, den Sog eines Konzerterlebnisses oder die Dekadenz der Texas-Schickeria und der Wannabes einfängt und wie es das Hadern der Figuren zeigt, die sich oft an verlassenen (Nicht-)Orten aufhalten, hat in der Verbindung mit einer assoziativen Montage und mit einem wunderbar-abwechslungsreichen Soundtrack etwas Einzigartig-Faszinierendes. Inhaltlich bleibt "Song to Song" indes im Banalen – dem Liebesreigen fehlt es an Spannung, die Voice-over-Monologe ("Ich wollte Erfahrungen!", "Komm, errette mich von meinem kranken Herzen!") können nicht mit der Kraft des Visuellen mithalten. Gleichwohl gelingen dem Ensemble auch schauspielerisch interessante Augenblicke.

Rooney Mara tritt als Faye, die ein Leben von Song zu Song, von Kuss zu Kuss führen will, in häufig wechselnden Perücken auf; in ihren Augen trägt die Gelegenheitsjobberin hingegen stets eine tiefe Melancholie. Die Gespräche zwischen Faye und ihrem Vater gehören zu Maras stärksten Szenen; ebenso kann Ryan Gosling vor allem in den Passagen brillieren, in denen der Singer-Songwriter BV seine Familie besucht. Michael Fassbender knüpft als sexuell rastloser Erfolgsmensch Cook an seine Rolle in "Shame" an; ferner lassen sich viele bekannte Gesichter aus der Musik- und Filmwelt in kurzen Momenten auf der Leinwand entdecken: Neben musikalischen Ikonen wie Patti Smith oder Iggy Pop sowie aktuellen Stars wie Lykke Li oder Alan Palomo sind etwa Holly Hunter ("Das Piano"), Bérénice Marlohe ("James Bond 007 – Skyfall") und Val Kilmer (der an seine furiose Jim-Morrison-Verkörperung in Oliver Stones "The Doors" gemahnen darf) zu sehen. Am beeindruckendsten agiert allerdings Natalie Portman in einer tragischen Performance, die dem potenziell klischeehaften Part einer femme fragile Empathie und Würde verleiht.

Fazit: Ein formal einnehmendes Werk mit hervorragender Kameraführung, das auf der Handlungsebene weniger zu überzeugen vermag. Im Schauspiel hat der Film dennoch einige reizvolle Momente.





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