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Mr. Morgan's Last Love
Mr. Morgan's Last Love
© Senator Film

Kritik: Mr. Morgan's Last Love (2012)


"Mr. Morgan’s Last Love" ist die Adaption des Romans "La Douceur assassine" der französischen (Drehbuch-)Autorin und Schauspielerin Françoise Dorner. Inszeniert wurde die berührende, kitschfreie Tragikomödie von der deutschen Regisseurin Sandra Nettelbeck, die mit der Romantik-Komödie "Bella Martha" 2001 den Durchbruch schaffte. In erster Linie hat sie es dem nuancierten, feinfühligen Spiel ihrer Hauptdarsteller zu verdanken, dass sich "Mr. Morgans Last Love" trotz einer etwas schwächeren zweiten Hälfte letztlich doch als warmherziger Film für ein älteres, anspruchsvolleres Publikum entpuppt.

"Mr. Morgan’s Last Love" lebt von seinem ausdrucksstarken Darsteller-Ensemble. Der zweifache Oscar-Gewinner und Schauspiel-Gigant Michael Caine versteht es brillant, in die Rolle des zwar kantigen aber doch trauernden und vom Leben gebeutelten Matthew Morgan zu schlüpfen. Er liefert eine herzergreifende Performance zwischen zu Tode betrübtem Witwer und hoffnungsfrohem Verehrer ab und agiert mit Ausdruck und Anmut. Gemeinsam mit der positiven, wunderschönen Clémence Poésy ("Brügge sehen … und sterben?") bildet er ein erfrischend ungewöhnliches, perfekt harmonierendes Leinwandpaar. Der Zuschauer leidet gemeinsam mit Matthew, der am Tod seiner über alles geliebten Frau zu zerbrechen droht. Umso mehr Freude und Hoffnung keimt (beim Zuschauer und natürlich Matthew) auf, als sich mit der Präsenz von Pauline das Leben des alten Mannes wieder zum Besseren zu wandeln scheint.

Was man dem Film jedoch ankreiden muss ist die Tatsache, dass es mitunter ungemein schwer fällt, ob man das Verhältnis zwischen den Beiden nun als harmlose Freundschaft oder als sexuelle Beziehung zu verstehen hat. Darüber sind sich Matthew und Pauline wohl selbst nicht ganz im Klaren. Ein weiterer Kritikpunkt: Etwa nach der Hälfte des Films verlagert sich der thematische Schwerpunkt von der inspirierenden Begegnung zwischen Matthew und der jungen Tanzlehrerin hin zum Aufarbeiten einer zutiefst gestörten Vater-Sohn-Beziehung. Auch der Handlungsort wechselt: von der Weltmetropole Paris hin zu einem Ferienhaus in der Normandie. Diese zweite Hälfte des Films ist deutlich pathetischer als der erfrischende erste Teil, zudem bewegt sich "Mr. Morgan’s Last Love" in den zweiten sechzig Minuten oft gefährlich nah an unnötigen Melodramatik-Gewässern.

Fazit: Berührende, hübsch fotografierte Tragikomödie, deren unnötige Melodramatik in der zweiten Film-Hälfte durch die ausdrucksstarken, nuanciert aufspielenden Darsteller ausgeglichen wird.





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