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Knight of Cups
Knight of Cups
© Studiocanal

Kritik: Knight of Cups (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Terrence Malick's Filme sind keine stringent erzählten Geschichten, sondern Meditationen - Bilder, Musik, Geräusche und Monologe, die man wie eine warme Welle über sich schwappen lassen und im besten Fall davon mitreißen lassen kann. Der Filmemacher, der inzwischen auch schon über 70 Jahre alt ist, greift in Variationen immer wieder die gleichen Themen auf: Der in die reine Natur eindringende Mensch; Unschuld versus Verderbnis; die Entfremdung und das Aneinandervorbeileben der Individuen; die Unfähigkeit, Liebe auszudrücken.

All dies trifft man auch in "Knight of Cups" wieder - und es wird deutlich wie selten in den Dialogen und Monologen zum Ausdruck gebracht. Aber leider ist die Fallhöhe inzwischen so niedrig, dass sich ein Missverhältnis zwischen der suggerierten Bedeutungsschwere des Verlesenen und der emotionalen Involviertheit des Zuschauers ergibt. Ging es in "Der schmale Grat" buchstäblich um Leben und Tod, in "The New World" um eine Konfrontation von Kulturen und in "The Tree of Life" zumindest noch um Generationen übergreifende Fehlleitungen, so zeigt "Knight of Cups" das Schicksal eines super-reichen und vergötterten Hollywood-Drehbuchautoren, der feststellen muss, wie leer sein Leben eigentlich ist - und dass er die Frauen, die einen Unterschied hätten machen können, vergrault hat. So furchtbar das alles ist - 90 Prozent der Weltbevölkerung hätten wohl gerne die "Probleme", die Christian Bale hier umtreiben.

Liest man "Knight of Cups" Mallick-typisch, dann gibt es hier natürlich viel Gewinnendes zu sehen: Der Homo Hollywoodiens kleistert sein Leben zu - mit obszön großen Häusern, absurd teuren Möbeln und teurer Kleidung, teert die Landschaft mit riesigen Städten zu, lässt Autos sinnlos über riesige Straßen kreisen und - als sei das noch nicht genug - vernebelt sich die Sinne mit Alkohol, Drogen und Medikamenten. Als Sahnehäubchen ergeht er sich in gefühllosem Sex mit ständig wechselnden Partnern. Um zu vergessen, weshalb er eigentlich in der Welt ist, wie Ben Kingsley's Stimme aus dem Off raunt? Im Gegensatz dazu die Reinheit der Natur, der Erde, des Strandes, des Wassers, des Ozeans und der Luft. Immer wieder blickt Bale zum Himmel, als erwarte er von dort einen Wink, wie er aus seinem leeren Leben aussteigen kann.

Der Regisseur und sein Standard-Kameramann Emmanuel Lubezki haben ein wie immer faszinierendes Kaleidoskop aus betörenden und verstörenden Bildern gefunden. Aber die Geschichte - wenn man denn von solch einer sprechen kann - oder die Meditation fällt hohl aus. Schon bald beginnt der Film seine eigenen Motive wieder und wieder zu recyceln, ohne besonders kraftvolle Momente oder einen größeren Erkenntnisgewinn zu produzieren.

Die Einteilung des Films in Kapitel, die nach Tarot-Karten benannt sind - tieferer Sinn oder pseudo-intellektuelle Wichtigtuerei? Die ständigen Monologe, teilweise religiös verbrämt - eine weitere Ebene erschließend oder nur das Überdeutlichmachen des visuell zu Erschließenden? Auf jeden Fall geht "Knight of Cups" allzu früh der Handlungsatem aus. Dass solch ein Werk, das die Kategorisierung eines zeitlichen Handlungsablaufs erschwert, recht abrupt und willkürlich - aber immerhin hoffnungsvoll - endet, war da schon zu erwarten.

Christian Bale muss seinen Charakter fast vollständig durch Blicke und Körpersprache vermitteln - Dialoge hat er kaum welche. Seine Verlorenheit in der Welt zeigt sich in seiner Sprachlosigkeit, seinem an den Rand gedrückten Beobachterstatus. Um ihn herum wird gewirbelt, gelacht, geschwafelt, gefeiert - manchmal reißt es ihn mit, immer öfter nicht. Umgeben wird der omnipräsente Brite von einer 1a-Garde an Kolleginnen (Cate Blanchett, Natalie Portman, Freida Pinto und Imogen Poots) und Kollegen (Brian Dennehy, Wes Bentley, Antonio Banderas und Armin Müller-Stahl), die das Beste aus der fragmentierten Spielzeit machen, was sie können.

"Knight of Cups" mag durch mehrfaches Sehen eine erweiterte Bedeutung vermitteln und damit auch eine größere intellektuell-emotionale Befriedigung erreichen. Nach einem ersten Erleben bleibt allerdings der schon bei "To the Wonder" einsetzende Eindruck, als ob Terrence Malick als Geschichtenerzähler gefährlich in Richtung Selbstparodie abzurutschen droht.





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