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Ödipussi (1988)

Mit über 4 Millionen Kinobesuchern einer der erfolgreichsten deutschen Kinofilme 1988: Loriots pointiert-intelligente Abrechnung mit der Ödipus-Theorie von Sigmund Freud.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.0 / 5

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Der 56-jährige Paul Winkelmann (Vicco von Bülow) ist etwas tollpatschig, dennoch ist er ein ordnungsliebender, gutherziger Bürger, der vor einigen Jahren die Leitung des familien-eigenen Möbelgeschäfts übernommen hat. Trotz seines fortgeschrittenen Alters lebte er bis vor kurzem immer noch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Mutter Louise (Katharina Brauren). Beide kamen bislang wunderbar damit zurecht, doch nun gibt es Ärger: Paul möchte so langsam auf eigenen Beinen stehen und bezieht erstmals eine eigene Wohnung. Und dann lernt Mamasöhnchen Paul auch noch eine Frau kennen: die Diplompsychologin Margarethe (Evelyn Hamann). Louise gefällt das Interesse des Sohnes für seine neue weibliche Begleitung weniger. Chaotisch wird es, als die Drei zusammentreffen und miteinander auskommen müssen.

Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Ödipussi" feierte im Frühjahr 1988 Premiere und entwickelte sich mit 4,6 Millionen Besuchern zu einem der erfolgreichsten deutschen Filme der ausgehenden Achtziger-Jahre. Für Loriot, der auch das Drehbuch schrieb und Regie führte, war es der erste von zwei Kino-Produktionen. Die zweite folgte drei Jahre später mit "Pappa ante portas". Loriot zählte bis zu seinem Tod 2011 zu den wichtigsten, erfolgreichsten deutschen Humoristen und Künstlern.

Nach Jahren auf den TV-Bildschirmen und unzähliger, zum Teil legendärer TV-Sketche sah man Loriot in "Ödipussi" erstmals in Spielfilmlänge im Kino. Man merkt dem Ende 1987 vor allem in West-Berlin und Mailand gedrehten Film bisweilen Loriots TV-Herkunft an, wenn in "Ödipussi" der Eindruck entsteht, Loriot würde hier eine Reihe von Sketchen und hintergründigen Humor-Einlagen einfach nur aneinanderreihen. Dieses Gefühl schleicht sich vor allem im ersten Drittel ein, dann aber findet Loriot ein gutes, der simplen Handlung angepasstes Tempo und eine stimmige Tonalität.

Diese setzt sich zusammen aus absurd-bizarren Situationen und pointierten Alltagsmomenten, die jeder von uns kennt. Kultstatus haben etwa die Szenen erreicht in denen Winkelmann einem Obdachlosen – erfolglos – etwas Kleingeld geben möchte oder er feststellt, dass die neuen Blumen einfach nicht mit der Vase zusammenpassen wollen (die Vase ist zu groß). Zwischendurch dominiert dann wieder körperbetonter Slapstick klassischer Machart, wenn Winkelmann großen Körpereinsatz bei der Annahme eines Telefonats zeigen muss oder er eine auf der Straße liegende Dose wegkicken will – aber grandios daneben zielt.

"Ödipussi" ist ein knochentrockener, mit intelligentem Wortwitz garnierter Film, der eine Reihe von Klischees genüsslich durch den Kakao zieht und gängige Vorurteile überzeichnet, die bestimmten Charakteren oder den Deutschen allgemein anhaften. Darunter die – ebenso gerühmte wie gefürchtete – deutsche Gründlichkeit und Pedanterie, Bürokratie, überfürsorgliche Mütter, die ihre Kinder nicht loslassen können oder Besitzer bzw. Betreiber familiengeführter Traditionsgeschäfte, die von den Produkten, die sie verkaufen, keinen blassen Schimmer haben.

Fazit: Lakonische, hintersinnige Satire, präzise geschrieben und treffsicher humoristisch.




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Land: Deutschland
Jahr: 1988
Genre: Komödie
Länge: 95 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 10.02.2022
Regie: Vicco von Bülow
Darsteller: Vicco von Bülow als Paul Winkelmann, Katharina Brauren als Pauls Mutter, Evelyn Hamann als Margarethe Tietze
Verleih: Croco Film

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