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Jackpot - Hauptplakat
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Kritik: Jackpot - Vier Nieten landen einen Treffer (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die stark an die frühen Gewalt-Orgien Tarantinos erinnernde Crime-Comedy "Jackpot" beruht auf einer Geschichte des norwegischen Krimi-Autors Jo Nesbø, der bereits die Vorlage zum grotesken Erfolgs-Thriller "Headhunters" von 2011 lieferte. Dabei setzt "Jackpot" mehr auf Slapstick und bizarren skandinavischen Humor als auf Spannung und ausführliche Figurenzeichnung. Begründet liegt dies in der Tatsache, dass mit Magnus Martens ein Mann auf dem Regie-Stuhl Platz nahm, der im Komödien-Fach zu Hause ist. Trotz einiger unnötiger Schlenker und Wendungen, macht "Jackpot" als überdrehte, cartoonartige Gauner-Komödie enorm viel Laune. Literweise Kunstblut und abstruse Mord-Ideen inbegriffen.

Man nehme den schwarzen Humor erfolgreicher nordischer Komödien der letzten Jahre ("Adams Äpfel", "In China essen sie Hunde") und kopple ihn mit den skurrilen, köstlich unterhaltenden Gewalt-Exzessen eines frühen Tarantino ("Reservoir Dogs - Wilde Hunde"). Dies stellt die Basis des Films "Jackpot" dar, der hinsichtlich seiner Erzählweise und Dramaturgie durchaus auch an Guy Richtie ("Snatch - Schweine und Diamanten") und Bryan Singers Klassiker "Die üblichen Verdächtigen" erinnert. Regisseur Martens macht zunächst einmal fast alles richtig. Seine Hauptfigur ist ein bemitleidenswerter, harmlos-naiver Verlierertyp, der niemanden etwas getan hat und Sympathien beim Betrachter hervorruft. Per Zufall gerät er an die falschen Freunde, was eine konfuse, aber für den Zuschauer unheimlich spaßige Kettenreaktion absurder Vorkommnisse in Gang setzt.

Durch eine verschachtelte Erzählweise erfährt der Zuschauer durch Rückblenden allmählich, wie es zu all dem kam: Oscar ist als Häftlings-Aufpasser für Billy, einem kranken Psychopathen, und dessen schwachsinnige Freunde Thor und Dan verantwortlich. Nachdem sich Oscar auf eine schier unmögliche Fußballwette mit den Dreien einlässt, passiert das Unfassbare: Die Tippgemeinschaft sahnt den großen Gewinn ab. Aber die Gangster-Kumpel wollen alles für sich behalten, weshalb sie einander bald in wahnwitzigen Taten niedermetzeln. Auch eine Axt kommt bald zum Einsatz und die abgetrennten Körperteile werden anschließend fachgerecht entsorgt. An dieser Stelle huldigt Martens den blutigen Gewalt-Exzessen Tarantinos. Das alles ist unterlegt mit bitter-bösen Dialogen und zynischen Kommentaren. "Jackpot" hätte ein großes Meisterstück werden können, wenn sich Martens hier und da ein wenig mehr zurückgenommen hätte.

Sein Film – ebenso wie die schrulligen Figuren – erscheinen zeitweilig deutlich überzeichnet und stehen kurz davor, ins karikaturenhafte abzurutschen. Durch Übertreibung und Maßlosigkeit erscheinen einige Dialoge und Szenen (siehe "Leichenzerkleinerungsaktion") somit fast lächerlich. Das ist schade, denn hier wäre (etwas) weniger, (viel) mehr gewesen. Die ein oder andere verwirrende Wendung hätte sich Martens zudem getrost sparen können. Die Handlung des Films sowie seine schlussendliche Auflösung geraten so aus dem Blickfeld und erscheinen am Ende immer weniger glaubhaft.

Fazit: Die grotesken Einfälle in Tarantino-Manier sowie der pechschwarze Humor skandinavischer Krimi-Komödien lassen die verwirrende Handlung und einige übertriebene Szenen verschmerzen.





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