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Exit Marrakech
Exit Marrakech
© Studiocanal

Kritik: Exit Marrakech (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mehr als zehn Jahre nach ihrer Familiensaga "Nirgendwo in Afrika", die 2003 als bester fremdsprachiger Film mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, kehrt die Regisseurin und Drehbuchautorin Caroline Link auf den afrikanischen Kontinent zurück. Auch wenn der exotische Schauplatz ihres Vater-Sohn-Dramas eine Reihe einprägsamer Bilder liefert und die kulturelle Andersartigkeit Marokkos durchaus in den Blick genommen wird, steht doch der Konflikt der Hauptfiguren im Zentrum des Geschehens. Der fremde Ort dient dabei auch als Katalysator, der grundverschiedene Einstellungen zum Leben zu Tage fördert. Während Ben der unbekannten Umgebung zunehmend offener gegenübersteht, zieht sich sein Vater in eine Scheinwelt zurück. Heinrich gefällt sich in der Rolle des westlichen Intellektuellen, der die hiesige Kulturszene mit seinen Inszenierungen bereichert, verweigert sich einer wirklichen Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten aber konsequent. Nicht umsonst erklärt er seinem Sohn, dass er alles Wissenswerte über das Land aus einem Buch erfahren könne und daher sein Luxushotel überhaupt nicht verlassen müsse.

Eine ähnliche Gleichgültigkeit kommt auch im Umgang mit Ben zum Ausdruck. Beispielsweise ist Heinrich, obwohl er es als Vater eigentlich besser wissen müsste, nur rudimentär über die Zuckerkrankheit des Jungen und die damit verbundenen Vorsorgemaßnahmen informiert. Auch als Ben ihn um die Meinung zu seinen kreativen Schreibversuchen bittet, zeigt der Theatermann lediglich beiläufiges, eher kontraproduktives Interesse. Vater und Sohn haben sich sehr weit voneinander entfernt. Das unterstreicht nicht zuletzt die recht eindeutige Bildkomposition, die die beiden Protagonisten allein in räumlicher Hinsicht immer wieder trennt. Aufgebrochen wird die bisweilen etwas plakativ geratene Darstellung der Entfremdung durch Bens Ausbruch aus dem goldenen Käfig seines Vaters. Die den Film überspannende Konfliktsituation bleibt zwar durch Heinrichs erfolglose Anrufe stets präsent, tritt aber zugunsten einer Selbstfindungsphase seines Sohnes in den Hintergrund. Gewiss nimmt dieser Strang stellenweise klischeehafte Formen an – so handelt es sich bei Karima nicht nur um eine junge Frau aus ärmlichen Verhältnissen, sondern gleich um eine Prostituierte –, in belanglose Romantisierung gleiten die Ereignisse jedoch erfreulicherweise nie ab. Eine Versuchung, der manch anderer Filmemacher womöglich nicht hätte widerstehen können.

Als Ben und Heinrich schließlich erneut aufeinander treffen, spitzt sich die Auseinandersetzung bedenklich zu. Alte Wunden reißen auf, Lebensentwürfe werden hinterfragt. Und doch findet zum ersten Mal ein ehrlich gemeinter Austausch statt. Dank überzeugender Darstellerleistungen entfaltet der Film hier seine volle Stärke. Nur um kurz darauf allerdings den Weg einer sehr bequemen dramaturgischen Auflösung einzuschlagen, die nicht recht zur verworrenen Beziehungssituation passen mag. Hier macht es sich Caroline Link dann doch etwas zu einfach.

Fazit: Stark gespieltes Vater-Sohn-Drama vor atemberaubender Kulisse, das gegen Ende leider allzu beliebig gerät.




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