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Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in...ollte
Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte
© FR Entertainment

Kritik: Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Seit einigen Jahren ist im Kino wie auch im Fernsehen ein gesteigertes Interesse an Märchenstoffen zu beobachten. Werke wie der erst kürzlich erschienene Action-Splatter "Hänsel und Gretel: Hexenjäger" oder die aufwendige TV-Serie "Once Upon a Time – Es war einmal…" sind nur zwei Beispiele für diesen nach wie vor anhaltenden Trend, der sich in erster Linie durch einen spielerischen Umgang mit unterschiedlichen Versatzstücken des schier unerschöpflichen Märchenvorrats auszeichnet. Während viele dieser Produktionen aufgrund ihrer selbstreflexiven Elemente vor allem für ein erwachsenes Publikum interessant sind, legt der junge Regisseur Steffen Zacke mit "Das Märchen von der Prinzessin, die unbedingt in einem Märchen vorkommen wollte" einen dezidiert kindgerechten Spielfilm vor, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Susanne Straßner basiert.

Im Kern der Handlung steht die bedauernswerte Clara, die immerhin eine echte Prinzessin ist, von ihrer Umwelt als solche aber nicht wahrgenommen wird. Von Anfang an inszeniert Zacke sie als Außenseiterin, die den ständigen Hänseleien ihrer Schwester und den Schimpftiraden ihres Vaters ausgesetzt ist. Claras Ausgrenzung geht sogar so weit, dass ihr Bild nicht an der Wand mit den Porträts der Königsfamilie zu finden ist, sondern verlassen und verstaubt in der Ecke eines Zimmers steht. Der unbändige Wunsch des Mädchens, endlich eine berühmte Prinzessin zu werden, ist vor diesem Hintergrund mehr als verständlich.

Mit dem Auffinden des Märchenbuchs und Claras Entschluss, sich an den Vorbildern zu orientieren, legt der Film die Grundlage für seine stärksten Szenen. Die unterschiedlichen Versuche der Prinzessin und ihr stetiges Scheitern werden zumeist charmant und witzig in Szene gesetzt. Nachdem es Clara beispielsweise nicht gelungen ist, einen Frosch durch einen Kuss in einen Prinzen zu verwandeln, will sie sich unbedingt von einem Wolf fressen lassen. Doch auch hier muss sie erkennen, dass vieles nicht so einfach ist, wie es das Märchenbuch beschreibt. Denn der angeblich böse Wolf, der in den Wäldern des Königreichs umherstreunt, entpuppt sich recht schnell als anhängliches und liebevolles Tier. Neben den amüsanten Episoden an sich ist auch die jeweilige Einleitung ansprechend umgesetzt. Jedes Märchen, das Clara ins Auge springt, wird durch eine kurze, überblickartige Animationssequenz zum Leben erweckt. Claras und Michels ironische Voice-Over-Kommentare unterstützen diesen betont lockeren Comicstil.

Wie wichtig Zacke die kindgerechte Aufbereitung ist, verdeutlichen nicht nur die bis auf wenige Ausnahmen recht holzschnittartig gezeichneten Figuren. Auch die Handlung ist trotz ihrer spielerischen Elemente konsequent linear ausgerichtet, um Unklarheiten zu vermeiden. Das letzte Drittel wirkt jedoch arg gehetzt und räumt den Entwicklungen der Figuren nur unzureichend Platz ein. Mit Prinz Ermelin kommt hier einer bisher wenig beachteten Nebenfigur plötzlich entscheidende Bedeutung zu, die sich aus dem bisherigen Verlauf der Geschichte nicht zwingend ergibt. Die Folge dieser dramaturgischen Hatz ist schließlich ein abruptes Ende, in dem sich Claras Dilemma allzu leicht in Wohlgefallen auflöst.

Fazit: Zielgruppengerecht inszenierter Kinderfilm, der altbekannte Märchengeschichten charmant-spielerisch in seine Handlung einbaut, sich am Ende aber leider zu einfach aus der erzählerischen Verantwortung stiehlt.





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