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Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 - Hauptplakat
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 - Hauptplakat
© Sony Pictures

Kritik: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2 (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Während "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen" noch auf einer literarischen Vorlage, dem gleichnamigen Bilderbuch von Judi und Ron Barrett, basierte, wurde für das Sequel eine eigenständige Geschichte entwickelt, die fast nahtlos an die Ereignisse des Originals anknüpft. Auch wenn Teil eins mit der Figur des gierigen Bürgermeisters über eine antagonistische Kraft verfügt, kämpft Flint Lockwood darin doch vor allem gegen sich selbst bzw. sein Streben nach Anerkennung. Der Nachfolgefilm präsentiert mit Chester V nun einen klassischen Gegenspieler, der für den Zuschauer bereits sehr früh als Bösewicht auszumachen ist, den Protagonisten jedoch lange Zeit um den Finger wickeln kann. Hilflos müssen wir mit ansehen, wie Flint im Bestreben, dem großen Idol zu imponieren, seine treuen Freunde immer mehr vernachlässigt. Sams Sparks, Kameramann Manny, der unerschrockene Polizist Earl, der wohlgenährte Brent und das stets umtriebige Äffchen Steve können nicht verhindern, dass der ehrgeizige Erfinder den wohlklingenden, aber hinterlistigen Anweisungen Chesters folgt und damit fast ins Verderben rennt.

Sonderlich innovativ ist der emotionale Konflikt der Hauptfigur freilich nicht. Immerhin kennt das Kino unzählige Helden, die den wahren Wert von Freundschaft erst im Verlauf ihrer Reise zu schätzen lernen. In erzählerischer Hinsicht bleibt das Sequel zumeist an der Oberfläche und reicht damit zu keinem Zeitpunkt an die Vielschichtigkeit mancher Pixar- und DreamWorks-Produktionen heran. Ein Umstand, der durchaus verschmerzbar ist. Schließlich liegt das Hauptaugenmerk, ähnlich wie im Vorgänger, auf den ausgeklügelt-spaßigen Actionsequenzen und einer kreativen visuellen Gestaltung. Ist der umständlich konstruierte Einstieg erst überstanden, kann der Film seine wahre Ausdruckskraft entfalten, wenn Flint und seine treuen Begleiter in die farbenfroh und detailreich gezeichnete Umgebung ihrer Heimatinsel zurückkehren. Eine scheinbar vergessene Welt, die mit ihrer üppigen Vegetation und ihrer Artenvielfalt ganz bewusst an große Vorzeitfilme wie "Jurassic Park" erinnert. Ebenso staunend wie die Figuren selbst begegnet der Zuschauer seltsamen, auf den ersten Blick furchterregenden Mischwesen – darunter Shrimpansen, Frittantulas und Tacodile – sowie anderen sprechenden Nahrungsmitteln. Das Herz des Publikums dürfte dabei insbesondere einer kleinen Erdbeere gehören, die sofort Vertrauen zu Flints Reisegruppe fasst und ihr nicht mehr von der Seite weichen will. Bezeichnenderweise ist es am Ende eben dieses kleine Geschöpf, das entscheidend zum Angriff auf Chester V beiträgt.

Temporeiche Actionszenen, Slapstick-Einlagen und gradlinige Situationskomik dürften vor allem die kleinen Zuschauer bei konstant guter Laune halten. Ganz im Sinne anderer Animationsfilme hat "Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2" aber auch einige ironische, wenngleich sehr aufdringliche Seitenhiebe zu bieten, die sich eher an das erwachsene Publikum richten. So ist die Figur Chester V mit ihrer übertriebenen Gestik und ihrem fast schon messianischen Sprachduktus unverhohlen an reale Vorbilder aus der heutigen Innovationsszene angelehnt. Nicht umsonst wird die vom skrupellosen Erfindergenie verantworte Live Corp Company betont überzeichnet als Ort großer Wissensbündelung dargestellt, an dem alle Mitarbeiter nur eines im Sinn haben: Produkte zu erfinden, die das Leben der Menschen erleichtern oder bequemer machen. Apple und Co., die vermeintlichen Heilsbringer unserer Zeit, stehen hier offenkundig Pate.

Fazit: Farbenfroher und rasanter Animationsspaß für die ganze Familie, der sich, dem Geist des Vorgängers folgend, vor allem auf Schauwerte und komische Einlagen verlässt, erzählerisch aber nicht über Standardbausteine hinauskommt.




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