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Die Karte meiner Träume (2013)

The Young and Prodigious T.S. Spivet

Französisch-Kanadisches Abenteuer-Drama von Jean-Pierre Jeunet, nach Reif Larsens Kinderbuch gleichen Titels: Der hochbegabte T.S. Spivet wird mit dem prestigeträchtigen Baird Price des Washingtoner Smithsonian Instituts ausgezeichnet. Allerdings ahnt keiner der Juroren des Wissenschaftsinstituts, dass es sich bei dem Preisträger um einen 10-jährigen Jungen handelt...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.8 / 5

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Der zehnjährige T.S. Spivet (Kyle Catlett) lebt mit der älteren Schwester Gracie (Niamh Wilson) und den Eltern auf einer einsamen Ranch in Montana. Der Vater (Callum Keith Rennie) ist ein Cowboy wie aus dem Bilderbuch. Er war wahnsinnig stolz auf Layton (Jakob Davies), den Zwillingsbruder von T.S., der sich anschickte, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Doch dann kam Layton bei einer unbeaufsichtigten Schießübung ums Leben. Die Mutter, die T.S. immer nur Dr. Clair (Helena Bonham Carter) nennt, betreibt obskure Insektenforschung und ist zu zerstreut, um die Frühstücksbrote zu toasten. T.S. ist hochbegabt, schreibt wissenschaftliche Zeitschriftenartikel und soll für sein magnetisch angetriebenes Perpetuum mobile einen renommierten Preis erhalten. Davon weiß niemand in der Familie etwas, außer Gracie, die das aber nicht glaubt.
T.S. macht sich also auf den Weg nach Washington, D.C., um beim Festakt des Smithsonian Instituts die Rede zu halten. Er reist als blinder Passagier in einem Güterzug und erlebt aufregende Abenteuer. Die Kuratorin des Smithsonian Instituts, Miss Jibsen (Judy Davis) traut ihren Augen nicht, als ihr ein Junge gegenübersteht.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Jean-Pierre Jeunets optisch opulenter Film ist ein versponnener Roadtrip durch Amerika mit einem Kind als Protagonisten. Er basiert auf dem gleichnamigen Roman von Reif Larsen und erzählt die Geschichte eines hochbegabten Jungen, den ein seltsames Elternhaus und ein Schuldkomplex plagen. Die visuelle Gestaltung beeindruckt mit ihrer Liebe zum Detail und ihrer ästhetischen Sorgfalt. Inhaltlich aber bleibt die possierlich skurrile Geschichte flach.

Der Film spricht viele Themen an, die wie auf einem Jahrmarkt der Attraktionen präsentiert werden. Es geht um die Einsamkeit auf einer Ranch im Westen Amerikas. Um ein Elternpaar, das im praktischen Leben keinerlei Gemeinsamkeiten hat und um ein hoch intelligentes Kind mit autistischen oder zwanghaften Zügen. Ich-Erzähler T.S. will sich die beängstigende Welt selbst erklären, mit schwierigen Statistiken und eigenwilligen wissenschaftlichen Forschungen. Aber die Eltern beachten ihn nicht. T.S. gibt sich auch die Schuld am Unfalltod des Zwillingsbruders und meint, dass der Vater ihn nun noch weniger leiden kann. Sein inneres Drama kann der Junge nur lösen, indem er sich auf die Reise begibt. So ergreift er die Initiative, um seine Familie aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken.

Auf diesem Roadtrip lässt sich Jeunet von amerikanischen Mythen leiten, dem Vagabundenleben oder und dem Erfahren der fremden Heimat an Bord eines Zuges. Davon erzählte schon der Folksong "City of New Orleans", an den die Bilder dieser Reise unweigerlich erinnern, ohne dass er akustisch erklingt. Ein anderer Mythos ist die Sage vom armen Spatzen, der verzweifelt Schutz vor der Kälte sucht, bis ihm eine Tanne Unterschlupf gewährt. Ein Landstreicher erzählt sie dem Jungen. Das Motiv dieses Vogels durchzieht den ganzen Film, denn T.S. ist selbst nach einem Spatzen benannt, der am Tag seiner Geburt starb. Im urbanen Osten des Landes lernt T.S. schließlich eine andere Spielart der Einsamkeit kennen: das Kommerz- und Prestigedenken, die Sucht nach medialer Aufmerksamkeit. Die Geschichte findet ihre Tanne nicht, sondern flattert wie ein Spatz herum und verzettelt sich in vielen kleinen Nebenhandlungen.

Der junge Hauptdarsteller Kyle Catlett ist die Seele des ganzen Films. Er stattet seinen Charakter mit einer natürlichen Verletzlichkeit und klugen Ernsthaftigkeit aus. Die visuelle Gestaltung schließlich ist einfach bezaubernd. Detailverliebte Inneneinrichtungen mit musealem Charakter, nostalgische Farbkompositionen mit viel Rot und Grün, kunstvoll gestaffelte 3D-Bilder, eingefügte Zeichnungen lassen staunen und genießen. Schon dieses adrette, knallrote Elternhaus in der Wildnis von Montana hat etwas Märchenhaftes, Unwirkliches. Wes Anderson lässt grüßen, auch wenn man hier den schrägen Witz seiner Filme nicht findet.

Fazit: Jean-Pierre Jeunet spürt auf einem verspielten Roadtrip amerikanischen Mythen nach, ohne zu einer tieferen Wahrheit zu finden. Visuell aber ist der Film mit seinem Sinn für nostalgische Details ein Genuss.




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Land: Kanada, Frankreich
Jahr: 2013
Genre: Drama, Abenteuer
Länge: 105 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 10.07.2014
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Darsteller: Amber Goldfarb, Kathy Bates, Zachary Amzallag
Verleih: DCM GmbH

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