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Tao jie - Ein einfaches Leben
Tao jie - Ein einfaches Leben
© Fugu Filmverleih

Kritik: Tao jie - Ein einfaches Leben (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein Dienstmädchen, das 60 Jahre seines Lebens bei der Familie wohnte, für die es arbeitete, steht im Ruhestand allein da. Auf dieses Schicksal ist die Chinesin Ah Tao innerlich längst vorbereitet, als sie einen Schlaganfall erleidet und dem Filmproduzenten Roger nicht mehr den Haushalt führen kann. Nicht sie ist es, die das Altenheim fürchtet, sondern er: Für die Frau, die seit der frühesten Kindheit für ihn sorgte, gibt es in seinem Leben einfach keinen Ersatz. Das stille, nachdenkliche Drama der Hongkong-Regisseurin Ann Hui basiert auf einer wahren Geschichte. Es schildert mit genauer Beobachtungsgabe die späte Annäherung zweier Menschen, die ihre bisherige hierarchische Distanz endlich in offene Zuneigung und Freundschaft verwandeln.

Ah Tao ist das Pflichtbewusstsein in Person. Selbst im Heim sorgt sie sich um Roger und sucht aktiv nach einem Dienstmädchen für ihn. Aber die jungen Frauen, mit denen sie spricht, stellen aus ihrer Sicht zu hohe Ansprüche und wissen nicht, dass man Reis im Tontopf gart. Roger will ihr ein Handy besorgen, damit sie immer anrufen kann, wenn sie was braucht, aber das weist sie kategorisch als Luxus zurück. Ah Tao hat ihren Stolz. Sie wünscht sich einen Kontakt auf Augenhöhe, genau wie Roger selbst. Mal holt er sie nach Hause ab, damit sie sich alte Fotos anschauen und in den vielen Andenken kramen kann, die sie aufbewahrt hat. Dann wieder gehen sie aus, oder er sitzt einfach neben ihr, zwischen den anderen alten Leuten im Heim. Ah Tao und Roger reden immer offener und ungezwungener miteinander, ziehen sich sogar gegenseitig auf.

Die Schauspielerin Deanie Yip ist die Patentante ihres Filmpartners Andy Lau. Für ihre Rolle der Ah Tao bekam sie bei den Filmfestspielen in Venedig 2011 den Darstellerpreis. Am meisten beeindruckt, wie natürlich sie das Altern als ständigen Anpassungsprozess, als dynamische Verwandlung schildert. Andy Lau beschränkt sich weitgehend auf die Rolle des einfühlsamen Schweigers, der oft ganz in Gedanken Rückschau auf die gemeinsamen Jahre hält. Das Heim und seine Bewohner spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in diesem fast dokumentarisch anmutenden Film. Eine Privatsphäre nach westlichem Standard gibt es dort nicht, dafür aber ein reges Miteinander, in das selbst die junge Heimleiterin einbezogen ist. Manchmal wirkt das kontemplative Drama langatmig, aber es berührt auf zarte, beinahe unmerkliche Weise. Dabei stimmt es zuversichtlich: Ein Leben im Altenheim ist zwar nicht wirklich schön, aber es muss nicht automatisch bedeuten, dass man abgeschoben und vergessen ist.

Fazit: Erst als die langjährige Haushälterin seiner Familie ins Altenheim geht, erkennt ein Filmproduzent, wie sehr er an ihr hängt: Das leise, fast dokumentarische Drama aus Hongkong erzählt berührend von später menschlicher Anerkennung und regt zum Nachdenken über den letzten Lebensabschnitt an.




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