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Die Pinguine aus Madagascar
Die Pinguine aus Madagascar
© 20th Century Fox

Kritik: Die Pinguine aus Madagascar (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In den beliebten "Madagascar"-Filmen mauserten sich die Sidekicks Skipper, Kowalski, Rico und Private schnell zu heimlichen Stars. Eine lustige Pinguintruppe mit einer klaren Hackordnung und einer Vorliebe für gefährliche Geheimmissionen. Schon 2008 bekamen die vier watschelnden Freunde in Form einer Animationsserie auf dem US-Sender Nickelodeon eine Plattform für eigene Abenteuer geschenkt, zeitlich losgelöst von den Ereignissen der Kinoproduktionen. Damit nicht genug. Die Verantwortlichen bei DreamWorks gaben schließlich auch grünes Licht für ein Spin-off im Leinwandformat. Eine Entscheidung, die sich aus finanzieller Sicht als lohnenswert erweisen dürfte, jedoch keinen erinnerungswürdigen Animationsfilm hervorgebracht hat, sondern ein Werk, das sich allenfalls auf durchschnittlichem Niveau einpendelt und so zu einer kleinen Enttäuschung gerät.

Dabei sind die ersten Schritte noch recht vielversprechend. Zügig und pointiert entführen uns die Macher im Prolog in die eisige Einöde der Antarktis und zeigen, wie Skipper, Kowalski und Rico aus der Reihe ihrer stur dahinwatschelnden Artgenossen tanzen, um fortan große Abenteuer zu erleben. Ein erstes lässt nicht lange auf sich warten, denn plötzlich rollt ein verirrtes Ei den Abhang herunter, dem kurz darauf der kleine Private entschlüpft. Besonders gelungen sind in der Auftaktsequenz die bissigen Seitenhiebe auf die vor allem in den letzten Jahren aus dem Boden schießenden Tierdokumentationen. An einer Stelle erweitert sich auf einmal der Bildausschnitt, und der Zuschauer erkennt, dass Skipper und Co von einem eifrigen Kamerateam beobachtet werden, das nicht davor zurückschreckt, selbst in das Geschehen einzugreifen, um spannende Bilder zu erzeugen. Zusätzliche Würze erhält der Auftritt der Filmcrew in der englischen Originalversion, da niemand Geringeres als Werner Herzog – mit "Begegnungen am Ende der Welt" selbst Schöpfer einer Kinoexpedition in die Antarktis – den eifrigen Kommentator spricht.

Neben ironischen Anspielungen dieser Art, die sich bevorzugt an ein erwachsenes Publikum richten, finden natürlich auch Späße und handfeste Slapstick-Einlagen Platz, die vor allem den jüngeren Zuschauern Freude bereiten sollen. Das emotionale Moment kommt dabei nicht zu kurz, vorerst zumindest. Sind Skipper und seine Freunde dann allerdings auf ihre Agentenmission fokussiert, lässt der Film wenig Raum, um der inneren Dynamik des Protagonisten-Quartetts weiter nachzuspüren. Die Rollen der Pinguine sind klar verteilt und bleiben auch im weiteren Verlauf recht starr. Eine größere Entwicklung darf einzig der kleine Private durchlaufen, der sich vom belächelten Nesthäkchen zum vollwertigen Mitglied wandelt, was niemanden wirklich überraschen dürfte. Für die Kurzauftritte der Pinguine im "Madagascar"-Franchise mag eine eher eindimensionale Charakterzeichnung angemessen sein. Hier, im ersten eigenen Leinwandabenteuer, hätte es aber einer Vertiefung bedurft. Nicht so sehr der etwas überflüssig erscheinenden Etablierung eines zweiten Agententeams.

Anstatt den Titelhelden mehr Profil zu geben und das Geschehen mit zusätzlichen Emotionen aufzuladen, verlässt sich der Streifen in erster Linie auf seine zweifellos beeindruckende Optik und eine ganze Reihe mitreißend choreografierter Actionpassagen und Schauplatzwechsel, die zwangsläufig eine gewisse Kurzweil mit sich bringen. Gleichzeitig wirkt das rasante Agententreiben aber auch etwas lieblos zusammengekleistert, was umso mehr ins Auge sticht, da die Trefferquote der Gags und popkulturellen Verweise stetig abnimmt. Fast schon folgerichtig fällt auch das Finale – einmal mehr vor atemberaubender Kulisse ausgetragen – recht fahrig aus. Und nicht nur das. Leider verpasst es das oftmals uninspiriert-vorhersehbare Drehbuch auch noch, einen halbwegs überraschenden Schlusspunkt zu setzen.

Fazit: Als Sidekicks mögen die Pinguine aus den "Madagascar"-Filmen bestens funktionieren, im Rahmen ihres ersten eigenen Leinwandabenteuers machen sie jedoch keine rundum glückliche Figur. Auch wenn die Optik der neuen DreamWorks-Produktion gefangen nimmt und die Actionszenen mitunter fesseln, ist das Ganze ein höchst mittelprächtiges Vergnügen ohne emotionalen Nachhall.




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