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The Drop - Bargeld
The Drop - Bargeld
© 20th Century Fox

Kritik: The Drop - Bargeld (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zur Zeit wird der US-amerikanische Thriller von seelenlosen Action-Orgien dominiert. "The Drop - Bargeld" ist da völlig anders und wirkt heutzutage bereits ein wenig ungewohnt. Das ruhige Thrillerdrama basiert auf Dennis Lehanes ("Mystic River", "Shutter Island") Kurzgeschichte "Animal Rescue". Der Film wurde von dem Belgier Michaël R. Roskam ("Bullhead") inszeniert. Statt auf tumbe Action und schnelle Schnitte setzt Roskam auf eine genaue Charakterzeichnung und auf eine sehr atmosphärische Milieuschilderung. Das funktioniert aufgrund des hervorragenden Schauspielerensembles und aufgrund der ausgezeichneten Kameraarbeit von Nicolas Karakatsanis, der zuvor bereits bei "Bullhead" mit Roskam zusammengearbeitet hatte. Durch kleine Details, wie achtlos von der Müllabfuhr umgeschmissen zurückgelassene Abfalltonnen, entsteht ein sehr authentisch wirkendes Portrait dieses Brooklyner Arbeiterviertels. Dieses befindet sich im Wandel, seitdem die kaltblütigen Tschetschenen das Ruder übernommen haben. Ein unterschwelliges Thema des Films ist der ewige Wandel in einem Land, das aufgrund immer neuer Einwandererwellen ständig sein Gesicht verändert. Hierbei fühlen sich die jeweils längeransässigen Einwanderer oft als "die wahren Amerikaner", während die neuen Immigranten von ihnen als nicht in ihr Land gehörige Ausländer betrachtet werden.

Solch einen an der guten alten Zeit festhaltender "richtiger" Amerikaner ist der von John Gandolfini in seiner letzten Kinorolle verkörperte Marv. Als ein Nachkomme italienischer Einwanderer ist der als Tonny Soprano aus der TV-Serie "Die Sopranos" bekannte Mime der Inbegriff eines Mitglieds der alten Italo-Mafia. Deshalb geht sein Machtverlust durch die Übernahme seines Ladens durch die neueingewanderten Tschetschenen gleich doppelt gegen seine persönliche Ehre. Man glaubt jederzeit, dass dieser übergewichtige Mann in mittleren Jahren drastische Maßnahmen zu ergreifen bereit ist, um dieses Unrecht wieder gutzumachen. Geradezu konträr zu diesem Cousin ist der von Tom Hardy gespielte Bob. Der Brite hatte bereits in so diametral entgegengesetzten Rollen wie dem rationalen Bauingenieur in "No Turning Back" und dem psychopathischen Schläger "Bronson" bewiesen, dass er einer der größten Charakterdarsteller unserer Zeit ist. Sein Bob wirkt ein wenig, wie eine leicht vertrottelte Working Class-Version seiner Rolle in "No Turning Back". Mag die Welt um ihn herum auch untergehen, Bob zapft einfach seeleruhig das nächste Bier. Doch Hardy und mit ihm Bob bekommt noch Gelegenheit zu zeigen, was er wirklich drauf hat. Der edle Kern-Cast wird komplettiert durch die aus "Verblendung" bekannte Schwedin Noomie Rapace. Obwohl sie erneut eine psychisch angeknackste Frau - inklusive häßlicher Narben - spielt, ist auch sie in diesem Film deutlich besser, als zuletzt in dem eher grobschlächtigen Thriller "Dead Man Down". Man darf nur hoffen, dass Rapace in Zukunft nicht auf derartige Rollen festgenagelt bleiben wird. - In den USA ist diese Gefahr leider recht groß. Gerade in einem Land des permanenten Wandels sehnt man sich eben auch nach ein paar festen Konstanten ...

Fazit: "The Drop" ist ein sehr atmosphärisches Thrillerdrama mit tollen Darstellern, an dessen gemächliches Tempo man sich jedoch zuerst ein wenig gewöhnen muss. Wer das tut wird mit einem wuchtigen Ende belohnt, dass es wirklich in sich hat.





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