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Me & Earl & the Dying Girl
Me & Earl & the Dying Girl
© 20th Century Fox

Kritik: Ich und Earl und das Mädchen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Um den Geschmack der breiten Masse zu treffen, tischen Pennälerkomödien nur selten Exotisches auf. Besonders in den USA sind die Zutaten meist gewöhnlich: Ein Außenseiter erobert unerwartet die Gunst seiner Mitschüler, lässt dafür aber all seine Individualität fahren und fügt sich am Ende brav der gesellschaftlichen Norm. Garniert wird das Ganze mit einer zuckersüßen Romanze samt Happy End. Von diesem faden Einheitsbrei hebt sich "Ich und Earl und das Mädchen" in vielerlei Hinsicht ab. Beim Sundance Film Festival 2015 gab es dafür den Großen Preis der Jury und den Publikumspreis.

Da wäre zunächst die Form. Der Ich-Erzähler, der im Filmtitel bereits anklingt, heißt Greg (Thomas Mann) und weiß nicht, wie er beginnen soll. Also bedient er sich einer Binse. "Das war die beste aller Zeiten, das war die schlechteste aller Zeiten", tippt er über seine soeben beendete Schulzeit in die Tasten, nur um den Einstieg postwendend als abgedroschen zu entlarven. Als er fortfährt, wechselt der Film zu animierten Szenen und gibt bereits einen Ausblick auf Gregs und Earls (RJ Cyler) Hobby. In ihrer Freizeit drehen die beiden Freunde kleine Parodien auf Filmklassiker. Alle drei Elemente, Gregs ironische Kommentare, die Animationen und die Ausschnitte aus den Parodien, poppen immer wieder auf und verleihen "Ich und Earl und das Mädchen" einen sehr speziellen Look.

Auch inhaltlich wagt der Film, der auf Jesse Andrews' gleichnamigem Roman basiert, mehr als die üblichen High-School-Komödien. Hier geht es nicht um Beliebtheitswettbewerbe oder die erste Liebe, sondern um Freundschaft und Tod. Regisseur Alfonso Gomez-Rejon ("Warte, bis es dunkel wird") inszeniert das weder kitschig noch pathetisch. Die coole Fassade, die sich die Teenager zu ihrem Selbstschutz aufgebaut haben, bröckelt nach und nach. Die lockeren, selbstreflexiven Momente weichen nachdenklichen. Das macht die Charaktere authentischer als so viele andere in vergleichbaren Filmen.

Und dennoch trifft der Allgemeinplatz, den Greg zu Beginn des Films in seine Tastatur tippt, am Ende auch auf "Ich und Earl und das Mädchen" zu. In der Rückschau ist auch für ihn die Schulzeit durch seine Bekanntschaft mit Rachel (Olivia Cooke) eine schöne und eine schreckliche Zeit. Die Mischung aus nachdenklichem Drama, schrägem Humor, Mediennostalgie und cooler Selbstreflexion ist nicht immer ganz ausgegoren und mag nicht jedem schmecken, hat jedoch deutlich mehr Pfeffer als die übliche Kost aus Übersee.

Fazit: Nach seinem Regiedebüt "Warte, bis es dunkel wird" (2014) und einer Folge für die TV-Serie "American Horror Story" wechselt Alfonso Gomez-Rejon das Genre, um nicht für immer in der Horrorschublade zu verschwinden. Mit "Ich und Earl und das Mädchen" gelingt ihm eine sensibles Drama mit schrägem Humor und jeder Menge Nostalgie, das auch visuell aus dem Rahmen fällt.





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