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Kritik: Vergiss mein Ich (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wie schon in seinem ersten, preisgekrönten Kinofilm "Über uns das All" erzählt Regisseur Jan Schomburg auch hier von der beschwerlichen Suche nach der eigenen Identität. Inspiriert wurde Schomburg dabei von einer Radiosendung, in der es um die retrograde Amnesie einer 40-jährigen Frau ging, deren persönliche Erinnerungen und eigene Biografie vollständig ausgelöscht waren - ohne Auswirkungen auf ihren Geisteszustand und ihr lexikalisches Wissen. Dank einer mutig agierenden Hauptdarstellerin Maria Schrader gelingt Schomburg ein intensives, faszinierendes Drama über eine Frau, die vor der schweren Entscheidung steht, wieder in ihr altes Leben hineinzufinden - oder ein neues Leben zu beginnen.

Unmittelbar, sehr direkt und ohne Vorwarnung steigt "Vergiss mein Ich" in die Handlung ein. Die Kamera übernimmt Lenas Blickwinkel, wir sehen die sie umgebende Umwelt mit ihren Augen. Es sind verschwommene, fremde Gesichter, die sie wahrnimmt. Dem Zuschauer ebenso fremd und unbekannt wie auch Lena. Vor allem der Einstieg in Jan Schomburg schonungslos direktem Drama "Vergiss mein Ich" ist intensiv und gestaltet sich als ein erster Höhepunkt eines rundum gelungenen, sauber inszenierten Dramas und Schauspiel-Glanzstücks. Hauptfigur Lena leidet unter retrograder Amnesie, ihr biografisches Gedächtnis wurde vollständig gelöscht, während ihr prozedurales Gedächtnis, das automatisierte Vorgänge bis hin zum Autofahren umfasst, ebenso unangetastet blieb wie ihr lexikalisches Weltwissen. Der Zuschauer erkundet mit Lena gemeinsam deren neue, alte Umwelt.

Schomburg schuf damit eine ungemein reizvolle Ausgangsposition für seinen Film. Der Zuschauer ganz auf Augenhöhe mit der Hauptfigur. Die Gefühle den Menschen gegenüber, die Lena im Laufe des Films trifft und kennenlernt, sind identisch mit dem, was der Zuschauer diesen völlig fremden Personen gegenüber empfindet: nichts, denn es sind ja Fremde, unbekannte Personen, mit denen man keine Erinnerungen, keine gemeinsamen Erlebnisse oder Momente teilt. Großartig ist das Spiel von Hauptdarstellerin Maria Schrader, die mutig und glaubhaft die unter Amnesie leidende, aber hochintelligente Lena verkörpert. Sie macht den Druck, der wie Backsteine auf ihr lastet, deutlich und für den Zuschauer direkt nachempfind- und fühlbar. Den Druck, den Lenas Umfeld, allen voran ihr Mann und ihre Freunde aufbauen, da sie die alte Lena so schnell wie möglich in ihrem Leben wiederhaben möchten.

Fazit: Mutig gespieltes, mitreißendes Drama über eine an retrograder Amnesie leidende Frau, die zurück ins Leben finden muss.




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