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The Broken Circle Breakdown - Hauptplakat
The Broken Circle Breakdown - Hauptplakat
© Pandora Film

Kritik: The Broken Circle (2012)


Am Anfang des hinreißenden Films "The Broken Circle" singt eine Bluegrass-Band die Zeilen "Will the circle be unbroken /by and by, Lord, by and by" aus einem Lied über den Tod, die Beerdigung, das Weiterleben im Himmel und die Hoffnung, dass er ein besseres Zuhause sei. Erst später erfährt der Zuschauer, dass sich Elise (Veerle Baetens) und Didier (Johan Heldenbergh) an diesem Abend ineinander verliebten. Ihre Gegenwart sieht anders aus: Ihre siebenjährige Tochter Maybelle (Nell Cattrysse) ist an Krebs erkrankt.

Virtuos wechselt Regisseur Felix van Groeningen in seinem Film die Zeitebenen, um die Geschichte einer großen Liebe zu erzählen. Für Elise und Didier war es fast Liebe auf den ersten Blick: Elise führt ein Tattoo-Studio, sie ist leidenschaftlich, gläubig und impulsiv. Ihr Körper ist voller Tätowierungen, die sich ihrem Leben anpassen. Didier ist ein bodenständiger Bluegrass-Musiker, er liebt die USA, ist Atheist und renoviert ein altes Anwesen auf dem Land. Er will sich nicht tätowieren lassen, da seiner Meinung nach nichts ewig Bestand haben kann. Sie sind zwei starke, gegensätzliche Charaktere, die eine sehr glückliche Zeit miteinander verbringen. Dieses Glück wird durch ihre Tochter noch vervollständigt. Aber auf jedes Glück folgt ein Unglück – und so fordert der Kampf gegen den Krebs sehr viel Kraft. Er lässt die Gegensätze zwischen Elise und Didier stärker heraustreten und droht ihre Liebe zu zerstören.

Felix van Groeningen behandelt mit seinem Film große Themen: Liebe, Glauben, Stammzellenforschung und den immerwährenden Kreislauf von Leben und Tod. Dabei findet er eindrucksvolle Bilder, die nur einmal dem Kitsch etwas zu nahe kommen. Ansonsten sorgt seine Inszenierung dafür, dass dieser Film wahrhaft und leidenschaftlich ist – und nicht zum Rührstück verkommt. Mit Zeitsprüngen und Ellipsen schildert er ihre Geschichte, so dass sich das Glück der Vergangenheit im Unglück der Gegenwart spiegelt. Dabei verläuft die Entwicklung ihrer Beziehung nicht linear, sondern stets gibt es Hoffnung, dass sie ihre Liebe retten können. Die Bluegrass-Musik bildet hierbei eine Klammer, sie drückt in ihren einfachen Liedern Liebe und Schmerz, Hoffnung und Verzweiflung aus und erlaubt Einblicke in das Innere von Elise und Didier. Zugleich gibt sie dem Film einen sehr eigenen Ton, der ihn einmalig macht.

"The Broken Circle" ist ein emotionaler Film, der den Zuschauer mit voller Wucht trifft. Seine Protagonisten sind leidenschaftliche, emotionale Menschen, die von Veerle Baetens und Johan Heldenbergh, der das Theaterstück mit Mieke Dobbels geschrieben hat, auf dem der Film basiert, intensiv gespielt werden. Dadurch sind manche Szenen so glaubwürdig, dass man ihnen fast schutzlos ausgeliefert ist. Es verwundert wenig, dass der Film auf der Berlinale gefeiert und mit dem European Cinema Labels sowie Panorama Publikumspreis ausgezeichnet wurde. Denn "The Broken Circle" ist ein großartiger Film, der abermals beweist, dass das belgische Kino derzeit zu den spannendsten in Europa gehört.

Fazit: "The Broken Circle" ist ein hinreißender Film voller Leidenschaft – bewegend, berührend und intensiv.





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