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Inside Wikileaks - Die fünfte Macht - Hauptplakat
Inside Wikileaks - Die fünfte Macht - Hauptplakat
© Constantin Film

Kritik: Inside Wikileaks - Die fünfte Macht (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Im Jahr 2010 veröffentlichten der Guardian, die New York Times und der SPIEGEL geheime Unterlagen über militärische Aktionen der USA, die zuvor der Plattform Wikileaks zugespielt wurden. Mit dieser parallelen Veröffentlichung beginnt der Film "Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt" von Bill Condon, in dem er versucht, dem Phänomen Wikileaks und Julian Assange näher zu kommen.

Dann springt die Handlung drei Jahre zurück. Daniel Berg (Daniel Brühl) arbeitet als Computerexperte in einer Firma und sabotiert schon einmal die Firmen-Kopiergeräte, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Auf einem Treffen des Chaos Computer Clubs begegnet ihm erstmals Julian Assange (Benedict Cumberbatch). Er weiß, dass Assange eine Internet-Plattform entwickelt hat, die es Whistleblowern erlaubt, anonym jegliche Daten zu veröffentlichen. Daniel ist begeistert von dieser Idee und glaubt, auf diese Weise die Welt verändern zu können. Deshalb will er sich ebenfalls in dieser Organisation engagieren, er will Assange und den anderen Mitstreitern helfen. Mit Wikileaks wird die Korruption in Kenia ebenso wie die Steuerhinterziehungspraxis einer Schweizer Privatbank öffentlich. Dabei gelingt es Assange, anfangs Daniel, später der ganzen Welt weiszumachen, dass hinter Wikileaks eine Organisation von Freiwilligen steckt. Tatsächlich aber gibt es anfangs nur Assange und einen Server, später dann Daniel, einige andere Mitstreiter und ein paar Server mehr. Dennoch ist der Aufstieg von Wikileaks nicht aufzuhalten. Und als sie geheime Dokumente zugespielt bekommen, die die Kriegslügen der USA entlarven, steht Wikileaks vor dem ganz großen Coup.

Dass die Geschichte von WikiLeaks ausreichend Stoff für einen spannenden Film bietet, hat die Dokumentation "We steal secrets: Die Geschichte von Wikileaks" ausreichend bewiesen. Ein fiktionaler Rahmen bietet nun weit mehr Möglichkeiten – beispielsweise für die Psychologisierung Julian Assanges, einen Diskurs über Journalismus oder über die Frage, ob für die Wahrheit immer alles veröffentlicht werden muss. Leider ist Bill Condons Film aber eine Mischung aus konventionellem Spionagefilm und Biographie. Allein die chronologische Erzählweise sorgt für unnötige Längen, vor allem aber fehlt eine eindeutige Erzählhaltung. Sein Film basiert auf den Büchern von David Leigh und Daniel Domscheidt-Berg, daher hätte sich die subjektive Sichtweise der Freunde und Wegbegleiter angeboten, stattdessen schwankt Condon aber zwischen Überblick und Personalisierung. Dadurch werden Deutungen zu Assanges Verhalten angeboten, die zu pathetischen Dialogen und küchenpsychologischen Erklärungen führen – sogar zu einer Spekulation über Assanges weiße Haaren lässt sich der Film hinreißen. Näher kommt man dieser schillernden Figur dadurch nicht, daran kann auch der gute Benedict Cumberbatch nichts ändern.

Darüber hinaus steht Bill Condon der technischen Welt von WikiLeaks weitgehend ratlos gegenüber und greift auf die typischen Bilder sich vernetzender digitalen Zeichen zurück, um Wikileaks’ Wachstum deutlich zu machen, und Büroräume im Stil von Billy Wilders "Apartment", um die enorme Arbeitsbelastung Assanges erkennen zu lassen. Doch dadurch entsteht kein Spannungsfeld oder Dynamik, sondern diese Bilder werden – wie fast jede Einstellung dieses Films – mit elektronischer Musik untermalt und hektisch geschnitten, um einen möglichst modernen Eindruck zu erzielen und Tempo zu suggerieren, das der Film nicht hat. Auch dass ein Treffen des Chaos Computer Clubs tatsächlich lediglich aus hippen Technik-Gadgets besteht, erscheint als Versuch, die Geschichte glamouröser zu machen als sie letztlich ist.

Vor allem aber fällt Bill Condon zu der Geschichte nicht viel ein. Assanges Besessenheit, jedes Dokument zu veröffentlichen und Wahrheit mit Transparenz gleichzusetzen, wird nicht ansatzweise diskutiert. Bradley Manning findet lediglich als Name in Nachrichten Erwähnung, stattdessen wird die Liebesgeschichte von Daniel und seiner Freundin erzählt. Auch auf die Vergewaltigungsvorwürfe geht Bill Condon nicht ein, sie werden eher der Vollständigkeit halber erwähnt. Und schließlich wird sogar noch der gut gewählten Titel "Die fünfte Gewalt" erklärt. Im besten Fall regt der Film daher an, sich mit der Geschichte von Wikileaks und der Frage, ob wirklich jedes Dokument zu jedem Preis veröffentlicht werden sollte, weiter zu beschäftigen. Ansonsten ist es ein Film der verschenkten Möglichkeiten.

Fazit: "Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt" ist ein konventioneller Thriller, der das Spannungspotential der zugrunde liegenden wahren Geschichte leider nicht ausnutzt.





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