oder

Die Wildente (2015)

The Daughter

Moderne Verfilmung eines Stoffes aus dem späten 19. Jahrhundert, in dem es aufgrund eines gelüfteten Geheimnisses, zu tragischen Ereignissen in einer Kleinstadt kommt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5.0 / 5

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Nach Jahren kehrt Christian (Paul Schneider) wieder in seine Heimatstadt zurück. Grund: sein Vater (Geoffrey Rush) heiratet ein zweites Mal. Christians Heimatort befindet sich gerade in einer schweren Krise, wurde vor kurzem doch das Holzwerk geschlossen. Dieses war die wichtigste Einnahmequelle der Stadt. In dem Sägewerk arbeitete auch Christians alter Freund Oliver (Ewen Leslie), der nun Existenzängste hat. Einzig seiner Familie ist es zu verdanken, dass Oliver noch Mut fassen kann. Sie gibt ihm Kraft und steht hinter ihm: Tochter Hedvig (Odessa Young), seine Frau Charlotte (Miranda Otto) und sein Vater (Sam Neill). Weitaus schwieriger ist das Verhältnis des Heimkehrers Christian zu seinem eigenen Vater. Christian macht ihn zum Teil mitverantwortlich dafür, dass sich seine Mutter einst das Leben nahm. Die Situation unter allen Beteiligten spitzt sich zu, als Christian ein altes Geheimnis heraufbeschwört, das Olivers heile Familienwelt aus den Fugen geraten lässt.

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Die WildenteDie WildenteDie Wildente - Hedvig (Odessa Young) im WaldDie Wildente - Die Hochzeit: Anna (Anna Torv, in..., r.)Die Wildente - Henry (Geoffrey Rush) auf der JagdDie Wildente - Hedvig (Odessa Young) und Oliver (Ewen...slie)


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

"Die Wildente" basiert auf dem beliebten skandinavischen Schauspiel gleichen Namens. Es gehört bis heute zu den bekanntesten Theaterstücken dort. Geschrieben wurde es Ende des 19. Jahrhunderts vom norwegischen Dramaturgen und Lyriker Henrik Ibsen. Ibsen kehrte nach vielen Jahren der Abwesenheit – ebenso wie die Hauptfigur in "Die Wildente" – und des Exils am Ende seines Lebens wieder zurück in die norwegische Heimat. Bis heute gibt es eine ganze Reihe filmischer Bearbeitungen des Stoffs, darunter unter anderem ein deutscher Stummfilm und eine österreichisch-deutsche Ko-Produktion aus den Siebzigern. Eine der bis heute bekanntesten Verfilmungen ist eine britische Produktion von 1984 mit Jeremy Irons. Regisseur Simon Stone, der hier sein Debüt vorlegt, macht aus dem Stoff ein in die Gegenwart verlegtes, hochemotionales Melodram-Paradestück. Für seine Version konnte Stone namhafte Darsteller gewinnen, darunter Miranda Otto und Geoffrey Rush ("The King’s Speech").

"Die Wildente" ist mit einem starken Cast ausgestattetes, ebenso einfühlsames wie wuchtiges Gefühlskino. Die Emotionen des Zuschauers werden nicht zuletzt immer wieder durch eine beklemmende Stimmung der allgegenwärtigen Bedrohung angesprochen, die über dem Gezeigten – und vor allem über Christian – zu schweben scheint. Dessen Introvertiert- und Schüchternheit bricht sich nach rund einer Stunde in einer der intensivsten Szenen Bahn, plötzlich und unerwartet. Olivers glückliche Familienwelt gerät dadurch aus den Fugen und die daraus resultierende Kurzschlussreaktion zeigt Regisseur Stone aus der Perspektive von Oliver. Diese Sequenz filmte er mit wackeliger Handkamera. Dadurch entstehen Wahrhaftigkeit und Realismus. Aber: Diese wichtige, einschneidende Szene bildet hinsichtlich Optik und Ästhetik eine Ausnahme, ist der restliche Film doch durchzogen von ruhigen Einstellungen und fein durchkomponierten, anmutigen Bildern und Schnitten.

Im Film kommt es aber durchaus auch zu ausgelassenen und freudvollen Ereignissen für die Handelnden, etwa wenn sich Oliver und Christian in der Nähe ihrer alten Uni noch einmal gepflegt besaufen. Wie in den guten, alten Zeiten. In solchen wenigen, aber dennoch – im wahrsten Sinne – berauschenden und ausgelassenen Szenen, geraten die inneren Konflikte und Kämpfe der Figuren für kurze Zeit in den Hintergrund. Hochemotional aber dennoch nie übertrieben überkandidelt tritt der komplette Cast auf. Vor allem die talentierte Jung-Darstellerin Odessa Young als charismatische, kluge Hedvig überzeugt.

Mit großer Leichtigkeit verkörpert sie ein pubertierendes Mädchen mit einem Hang zu Wildtieren sowie einem Faible für einen blond gelockten Jungen aus der Stadt, mit dem sie ihre ersten sexuellen Erfahrungen sammelt. Im Laufe des Films durchläuft sie quasi alle Stadien der menschlichen Emotionen: Von überschwänglicher Euphorie über das pure Glück des ersten Verliebtseins bis hin zu unermesslicher Trauer und tiefem Schmerz. Dieses Schicksal teilt sie mit nahezu allen Protagonisten im Film. Zuletzt bleiben noch Paul Schneider als melancholischer, psychisch zutiefst labiler Christian und Ewen Leslie zu nennen. Leslies Wandlung vom in sich ruhenden, ausgeglichenen Familienmenschen Oliver hin zum leidenden Hintergangenen, der von Wut und Trauer zerfressen ist, ist mitreißend und glaubhaft gespielt.

Fazit: In "Die Wildente" durchleiden die Figuren alle Phasen menschlicher Emotionen, von Euphorie und Glück über Wut bis hin zu Schmerz und Trauer. Dies setzt auch enorme Leidensfähigkeit beim Zuschauer voraus. Fast allgegenwärtig ist die beklemmende Stimmung, die wie ein Damoklesschwert auf dem Gezeigten zu lasten scheint, anhand ausgelassen-stimmungsvoller Momente aber hier und da durchbrochen wird. Die Bilder sind ästhetisch und fein aufeinander abgestimmt, der Cast agiert mit viel Hingabe und leidenschaftlich.




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Land: Australien
Jahr: 2015
Genre: Drama
Länge: 96 Minuten
Kinostart: 27.10.2016
Regie: Simon Stone
Darsteller: Anna Torv als Anna, Geoffrey Rush als Henry, Sam Neill als Walter
Verleih: Arsenal

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