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No turning back - Locke
No turning back - Locke
© Studiocanal

Kritik: No turning back (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Steven Knight, der Regisseur von "No Turning Back", ist bisher vorrangig als Drehbuchschreiber bekannt. In dieser Funktion hatte er unter anderem das Skript zu David Cronenbergs Thriller "Tödliche Versprechen" (2007) verfasst. Auch "No Turning Back" - Knights erst zweite Regiearbeit - lebt von Kinights ausgezeichnetem Skript. Dieses besticht durch die sehr lebensechten und ausgefeilten Dialoge. Dies ist zum Gelingen des Films auch unbedingt notwendig. Denn das Drama zeigt in 90 Minuten in Echtzeit nicht viel mehr, als Ivans einsame Fahrt durch die Nacht. Jedwede äußere Action in Form von Verfolgungsjagden oder ähnlichem glänzt durch vollkommene Abwesenheit. Stattdessen telefoniert Ivan fast pausenlos per Freisprechanlage mit den diversen Personen, deren Leben er gerade vollkommen durcheinanderbringt:

Ivans Chef ist außer sich und spricht Ivan die Kündigung aus. Ivans Zuarbeiter fühlt sich völlig überfordert, weil er nun die morgige Großlieferung ganz alleine stemmen soll. Die psychisch labile Schwangere, wird zunehmend hysterisch und versucht Ivan Liebesbekundungen abzuringen, welche dieser seinem One Night Stand nicht geben mag. Ivans Frau wiederum droht ihrem untreuen Mann mit Scheidung. Da fällt es selbst dem so kontrolliertem Ivan zunehmend schwer einen ruhigen Kopf zu bewahren und seine einsame nächtliche Autofahrt wird für Ivan immer mehr zu einer Fahrt in eine vollkommen ungewisse Zukunft. Aber Ivan ist entschlossen, seine wahre Pflicht zu erfüllen und für die werdende Mutter da zu sein. Die Radikalität seines Handelns, wird anhand eines Zwiegesprächs mit dem von Ivan imaginierten verstorbenen Vater erklärt. Das wirkt jedoch reichlich konstruiert und gekünstelt und ist zudem recht überflüssig. Denn Ivans Verhalten erscheint bereits aus seiner Figur heraus vollkommen schlüssig, da hätte man sich jede zusätzliche "Erklärung" komplett sparen können.

Das Ivan als Person so vollkommen echt wirkt, ist natürlich der Verdienst seines Darstellers Tom Hardy. Der aus Blockbustern wie "Inception" (2010) und "The Dark Knight Rises" (2012) bekannte britische Mime ist nämlich auch ein herausragender Charakterdarsteller, wie er eindrucksvoll in Nicolas Winding Refns Drama "Bronson" (2008) bewiesen hat. Dort verkörperte Hardy auf verblüffende Weise Großbritanniens berüchtigsten lebenden Strafgefangenen. Dieser Bronson ist ein echter Charismatiker und zugleich ein extrem aggressiver Psychopath. Somit bildet diese Rolle den größtmöglichen denkbaren Gegensatz zu dem bedächtig-biederen Bauingenieur Ivan Locke. Umso erstaunlicher ist es, dass Tom Hardy in "No Turning Back" erneut so sehr in seinen Charakter schlüpft, dass er Ivan Locke nicht zu spielen scheint, sondern in jeder Minute des Films tatsächlich Ivan Locke ist! - Fast wie in einem Raumschiff gleitet dieser Ivan einsam durch die Nacht. Zumeist zeigen einzig die stetig wechselnden bunten Lichtpunkte an den Autoscheiben die Bewegung des Wagens an, während im Inneren für Ivan die Zeit stillzustehen scheint.

Fazit: "No Turning Back" ist ein sehr gelungenes Ein-Mann-Kammerspiel auf Rädern mit einem überragenden Tom Hardy in der Hauptrolle.





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