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Die Lebenden (2012)

Österreichisch-Deutsch-Polnisches Drama: Die Studentin Sita stößt durch Zufall auf ein Foto, das ihren Großvater in einer SS-Uniform zeigt, und beginnt daraufhin, tiefer in die Vergangenheit der eigenen Familie einzutauchen...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Die 25-jährige Sita (Anna Fischer) studiert Germanistik in Berlin und fertigt nebenbei kleine Video-Porträts von den Teilnehmern einer Casting-Show an. Mit Gunther (Wanja Mues), dem Redakteur der Sendung, hat sie eine Affäre und ist tief enttäuscht, als er ihr eröffnet, dass er die Beziehung zu seiner Partnerin wieder in Ordnung bringen will. In einem Nachtclub lernt Sita am selben Abend den israelischen Fotokünstler Jocquin (Itay Tiran) kennen und verbringt mit ihm eine aufregende Nacht. Kurz darauf macht sie sich auf den Weg nach Wien, um den 95. Geburtstag ihres Opas Gerhard (Hanns Schuschnig) zu feiern. In der Wohnung ihres Vaters Lenzi (August Zirner) entdeckt die junge Frau eine Fotografie, auf der ihr Großvater in einer SS-Uniform zu sehen ist. Sita ist verwirrt und wühlt schon bald, gegen den Widerstand ihres Vaters, in der Vergangenheit der Familie. Ein Dokument aus einem Wiener Archiv und ein Erinnerungsfoto bringen die Studentin schließlich auf die richtige Spur. Sie führt nach Polen, genauer gesagt nach Warschau. Dort trifft Sita nicht nur auf die amerikanische Aktivistin Silver (Daniela Sea), es kommt auch zu einem Wiedersehen mit Jocquin.

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Obwohl die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit, vor allem im deutschsprachigen Kino, auf eine lange Tradition zurückblicken kann, hat die Beschäftigung mit diesem Thema auch heute nichts an Relevanz verloren. Gerade jene Werke, die eine persönliche Geschichte in den Blick nehmen, legen oftmals das umfassende Grauen der Nazi-Zeit in aller Deutlichkeit offen. Einen solchen mikroperspektivischen Ansatz verfolgt auch das von Barbara Albert inszenierte Drama "Die Lebenden", das autobiografische Züge trägt und von einer persönlichen Suche erzählt.

Im Zentrum der Handlung steht Sita, deren tief sitzende Verunsicherung deutlich wird, als Gunther ihre Affäre beendet und sie sich daraufhin in einen vermeintlichen One-Night-Stand flüchtet. Sita ist auf der Suche nach Liebe und Bestätigung, leidet dabei aber an einer gewissen Orientierungslosigkeit. Verstärkt werden ihre Selbstzweifel schließlich während ihres Besuchs in Wien. Denn plötzlich steht für die junge Frau auch ihre familiäre Vergangenheit zur Disposition. Nachdem sie das Foto von ihrem Großvater in einer SS-Uniform entdeckt hat, gibt es für Sita nur ein Ziel: Sie muss herausfinden, welche Rolle der alte Mann zur Zeit des NS-Regimes gespielt hat. Über die genauen Beweggründe für die nun einsetzende obsessive Suche nach der Wahrheit schweigt sich der Film leider aus, hätte aber gerade hier interessante Einblicke geben können. Immerhin steht Sita für eine Generation junger Menschen, die keinen direkten Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus hat.

Die wackelige Handkamera begleitet Sitas Recherche aus unmittelbarer Nähe und unterstreicht die Rastlosigkeit der Studentin. Gleiches gilt für die ständigen und manchmal abrupten Ortswechsel, die Sitas innere Unruhe ebenfalls zum Ausdruck bringen. Nicht immer sind die Handlungen und Entscheidungen der jungen Frau eindeutig motiviert. Bisweilen nimmt der Film sogar einen episodenhaften Charakter an. Die großen Fragen nach "Schuld" und "Verantwortung", die das behandelte Thema unweigerlich mit sich bringt, werden dabei immer wieder umkreist, jedoch sehr selten tiefer gehend analysiert. Wirklich fassbar sind sie nur in den Videoaufzeichnungen, die Sita bei einem Verwandten entdeckt. Hier berichtet ihr Großvater in schonungsloser Offenheit von seiner SS-Vergangenheit, und der Zuschauer erhält einen erschreckenden Einblick in die nachträglichen Legitimationen eines Menschen, der, vielleicht ohne es zu wollen, zum Täter wurde.

Bis auf wenige Ausnahmen kann Anna Fischer die Brüchigkeit der Hauptfigur überzeugend veranschaulichen. Auch Hanns Schuschnigs Darbietung als Sitas Großvater fällt beachtlich aus und sorgt dafür, dass so manche erzählerische Schwäche in den Hintergrund tritt. Die anderen Darsteller können dieses Niveau allerdings nicht erreichen, was nicht zuletzt dem unausgewogenen Drehbuch geschuldet ist. So hat beispielsweise August Zirner in der Rolle von Sitas Vater mit seiner schematisch angelegten Figur zu kämpfen, die gegen Ende des Films eine wenig motivierte Wandlung vollzieht.

Fazit: "Die Lebenden" greift mit der familiären Aufarbeitung der NS-Vergangenheit ein eminent wichtiges Thema auf, wird diesem aufgrund der erzählerischen Sprunghaftigkeit aber nur stellenweise gerecht.




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Land: Österreich, Polen, Deutschland
Jahr: 2012
Genre: Drama
Länge: 100 Minuten
FSK: 12
Kinostart: 30.05.2013
Regie: Barbara Albert
Darsteller: Hanns Schuschnig, Maja Samchanova, August Zirner
Verleih: Real Fiction

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