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Blackhat
Blackhat
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Blackhat (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Actionthriller von Regisseur Michael Mann widmet sich dem brisanten Thema der Cyberkriminalität, das Politikern und Unternehmen auf der ganzen Welt Sorgen bereitet. Computerviren können die Kontrolle über automatisierte Programme übernehmen und sie manipulieren. Dass ein Internetterrorist einen Unfall in einem Atomkraftwerk verursacht und den Börsenhandel aus dem Ruder laufen lässt, wirkt also nicht weit hergeholt. Die Spurensuche am Laptop gestaltet sich keineswegs dröge, denn Mann tariert sie unterhaltsam mit ganz klassischer Action – Verfolgungsjagden und Schießereien – aus. Besonderen Reiz bekommt die Geschichte, indem die Hauptfigur Nick Hathaway direkt aus dem Gefängnis an die Spitze des polizeilichen Ermittlungsteams katapultiert wird.

Was ein Filmheld heutzutage nicht alles können muss! Erst einmal hat er munter auf Smartphones und Tastaturen herumzutippen, während die anderen ratlos zuschauen. Auch als Programmierexperte aber muss er daran denken, einen Schraubenzieher für den Nahkampf mit Klebeband am Unterarm zu befestigen. Und weil Frauen nun mal mehr auf furchtlose Männer mit Muskelkraft stehen, als auf schüchterne Nerds, geht die Hauptrolle hier an Chris Hemsworth. Dass der Film Hathaway zum einsamen Wolf stilisiert und ihm praktisch die Rettung der halben Welt aufbürdet – mit Einsätzen in Hongkong, Malaysia und Jakarta - , mutet anachronistisch an. In einer vernetzten Welt, deren Gefahren hier so plastisch vorgeführt werden, hat der Einzelkämpfer im Grunde ausgedient. Aber in Michael Manns Filmuniversum gelten noch die alten romantischen Prinzipien. Die junge Chinesin Lien zum Beispiel wird zunächst als Expertin für Telekommunikation eingeführt, die ihrem Bruder Chen – gespielt vom asiatischen Popstar Wang Leehom - helfen soll. Dann aber dient sie dem Film doch nur dazu, Hathaway anzuschmachten und von ihm an die Hand genommen zu werden.

Über die stylishe Machart kann man nicht meckern, wenn man die mondäne, pulsierende, von Film-Noir gestreifte Atmosphäre schätzt, die an "Miami Vice" erinnert. Und Mann veredelt harte Action sehr ansprechend, gerade indem er die Bedürfnisse des Herzens nicht vernachlässigt. Die komplizierte Story aber kommt inhaltlich nicht ohne plumpe Vereinfachungen aus. Um Millionen von einem Konto abzuzweigen, genügt es angeblich, einem Pförtner schöne Augen zu machen und ihn zu bitten, mal eben kurz den mitgebrachten Stick an den Rechner anzuschließen. Und um einem Verbrecher nachzulaufen, den man eigenhändig abmurksen will, wählt man am besten eine Parade mit unzähligen Teilnehmern, die stur weitermarschieren, als hätten sie keine Augen im Kopf oder eben die Anweisung, als lebende Kulisse zu funktionieren.

Fazit: Michael Manns Cyber- und Actionthriller ist ein atmosphärisch spannender, inhaltlich diskussionswürdiger Versuch, aktuelle Gefahren zu thematisieren und dabei anachronistisch romantisch auf den einsamen Helden zu setzen.





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