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The Infiltrator
The Infiltrator
© Good Films

Kritik: The Infiltrator (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

In den 1980ern war Florida ein heißes Pflaster, diente der Sunshine State doch als Haupteinfuhrroute für Drogen aus Südamerika. Fernsehserien wie "Miami Vice" (1984-1990) oder Kultfilme wie "Scarface" (1983) zeugen davon. Und während "Escobar: Paradise Lost" (2014) und die Netflix-Produktion "Narcos" (seit 2015) sich in jüngster Zeit der wohl schillerndsten Figur hinter diesem Milliardengeschäft, Kartellboss Pablo Escobar, annehmen, wirft Regisseur Brad Furman nun einen präzisen Blick auf die andere Seite des Gesetzes. Escobar taucht in Furmans Thriller hingegen nur am Rand auf.

Hauptakteur Robert Mazur (Bryan Cranston), auf dessen Autobiografie Ellen Sue Browns Drehbuch basiert, ist ein durch und durch klassischer Charakter. Privat der treue Ehemann und liebende Vater holt er sich seinen Kick im Beruf, bis sein Familienleben seine verdeckte Ermittlung in Gefahr bringt und umgekehrt. Mit Emir Abreu (John Leguizamo) steht dem souveränen, stets in sich ruhenden Mazur ein Hitzkopf, mit Kathy Ertz (Diane Kruger) ein Neuling zur Seite, was die Spannung in brenzligen Situationen steigert. Die Ermittlungen gehen an allen Beteiligten nicht spurlos vorüber. Je näher Robert und Kathy Pablo Escobars rechter Hand Roberto Alcaino (Benjamin Bratt) und dessen Frau Gloria (Elena Anaya) kommen, desto schwerer fällt es ihnen, ihre professionelle Distanz zum Verbrecherpaar zu wahren. Auch hier ist Browns Drehbuch also recht gewöhnlich.

Das ist leider auch Brad Furmans Regie. Nach "The Take" (2007), "Der Mandant" (2011) und "Runner Runner" (2013) liefert Furman zwar erneut atmosphärisch dichte, handwerklich dieses Mal sogar überdurchschnittliche Arbeit ab, verliert bei aller Liebe zum Detail aber seine Geschichte aus den Augen. Hier sitzt jede Föhnwelle, jeder Schnäuzer, jedes Schulterpolster und jede Kamerafahrt, die all das perfekt ausgeleuchtet einfängt, so manche Entscheidung der Figuren leuchtet dem Publikum hingegen nicht ein. Warum der hochprofessionelle, geradezu pedantische Robert Mazur sich selbst und seine Familie durch Unüberlegtheiten wiederholt in Gefahr bringt, lässt sich nur mit den erzählerischen Konventionen des Genres, nicht aber mit gesundem Menschenverstand erklären. Ebenso schwammig bleibt Mazurs Besessenheit für seinen Beruf, die Beziehung zu seiner Kollegin und die Freundschaft zum Ehepaar Alcaino. Hier versäumt es "The Infiltrator" schlicht, angefangene Handlungsstränge konsequent zu Ende zu erzählen.

Was den Film dennoch sehenswert macht, sind die schauspielerischen Glanzlichter – allen voran Bryan Cranstons Darbietung –, die in vereinzelten Szenen aufblitzen. Auch wenn Cranstons Charakter nicht facettenreich genug ausgearbeitet ist, um mit seiner Paraderolle des Walter White aus "Braking Bad" (2008-2013) mitzuhalten, zeigt er hier ein weiteres Mal, wie mühelos er zwischen extremen Emotionen wechseln kann. Dieses perfekte Schauspiel, das ja auch Robert Mazur in seinem Beruf beherrscht, erschwert es letztlich dem Publikum, sich vollends mit dem Protagonisten zu identifizieren. Welche Persönlichkeit sich tatsächlich hinter der Maske verbirgt, die sich Robert Mazur tagtäglich aufsetzt, ist auch nach Filmende nicht klar.

Fazit: "The Infiltrator" ist ein solider Thriller, der durch detailverliebte Ausstattung und Kostüme sowie überzeugende Schauspieler besticht, darüber allerdings seine Geschichte zu häufig aus den Augen verliert.




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