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Kritik: Nurejew - The White Crow (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Ein Biopic über Rudolf Nurejew war nur eine Frage der Zeit. Schon dessen Geburt ist filmreif. In der Nähe von Irkutsk erblickt er am 17. März 1938 während einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn das Licht der Welt. Bei Ralph Fiennes ist dieses Licht fahl, und die Farben sind so entsättigt, dass Nurejews Anfänge beinahe wie Schwarz-Weiß-Aufnahmen aussehen. Trübe Kindheitserinnerungen eines Außenseiters, im Untertitel bereits angedeutet. Rudik, die weiße Krähe, passt sich weder an noch steht er still. Von Geburt an bleibt der spätere Weltstar immer in Bewegung.

Auch dieses Biopic, das einen kurzen Ausschnitt aus Nurejews Leben beleuchtet, bleibt in Bewegung. Mike Eleys Kamera wackelt durch Kulissen, die mehr an einen TV-Mehrteiler als an großes Kino erinnern. David Hares Drehbuch, von Julie Kavanaghs Biografie des Tänzers inspiriert, springt munter zwischen den Zeitebenen hin und her und verschachtelt eine Rückblende schon einmal in einer weiteren Rückblende. Mit dieser mitunter willkürlich wirkenden Erzählweise tut Fiennes seiner dritten Arbeit als Regisseur keinen Gefallen. "Nurejew – The White Crow" ist fahrig und trotz des auf dem Papier ungemein spannenden Plots erstaunlich langweilig.

Hare zeichnet Nurejew als freiheitsliebenden Heißsporn, der sich gern als Einzelgänger geriert. Dann schleicht er sich frühmorgens in den Louvre, um sich ganz allein Théodore Géricaults Gemälde "Das Floß der Medusa" (1814) anzusehen. Doch trotz all dieser Alleingänge, trotz der heißen politischen Lage, trotz aufgeheizter Tänze, Flirts und Affären mit Frauen und Männern lässt einen dieser Film letzten Endes ziemlich kalt, was vor allem an seinem Hauptdarsteller liegt.

Fiennes hat den Part von Nurejews Lehrer Alexander Puschkin übernommen, den er mit enormer Präsenz bei gleichzeitiger Zurückhaltung ausfüllt. Sein unscheinbares, aber präzises, nur auf wenige dezente Gesten und Blicke vertrauendes Porträt dieses unfassbar leisen Mannes ist der Höhepunkt dieses Dramas. Oleg Ivenko ist dessen Tiefpunkt. So wunderbar der ukrainische Tänzer Nurejews Kunst auch wiedergibt, von dessen vielfach beschworener Bühnenpräsenz ist er mehr als eine Pirouette entfernt. Ivenko spielt so eindimensional, teilnahmslos und blutleer, dass einem beim Zusehen das Blut nie in Wallung gerät. Diese im Grunde bewegende Geschichte eines Freigeists kommt nie richtig vom Fleck.

Fazit: Ralph Fiennes dritte Arbeit als Regisseur ist seine bislang schlechteste. "Nurejew – The White Crow" ist ein in mehrfacher Hinsicht misslungenes Biopic über einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben eines Jahrhunderttänzers. Die größte Schwäche ist der eindimensionale Hauptdarsteller, dessen blutleere Darbietung den gesamten Film lähmt.




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