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Can't Be Silent - Plakat
Can't Be Silent - Plakat
© Neue Visionen

Kritik: Can't Be Silent (2013)


Julia Oelkers begleitete in ihrer Doku "Can’t be silent" den Musiker Heinz Ratz und machte sich mit ihm, seiner Band "Strom und Wasser" und der neu gegründeten Combo "The Refugees" im Jahr 2012 auf eine Reise quer durch Deutschland, um auf die schwierige Situation der Flüchtlinge und die Missstände in der deutschen Asylanten-Politik hinzuweisen. Ohne falsches Pathos und ohne die Protagonisten jemals als bemitleidenswerte Opfer darzustellen, schafft es die mit dem DGB-Filmpreis ausgezeichnete Dokumentation, einen authentischen Einblick in die oft beängstigende Lebenswelt vieler Flüchtlinge zu gewähren. Eine beängstigende Lebenswelt und Realität, und das mitten in Deutschland.

Exemplarisch greift sich Regisseurin Oelkers einige der Asylanten heraus, um auf die Fehler und zum Teil erschreckenden Vorgehensweisen der deutschen Flüchtlings-Politik zu verweisen. Darunter sind z.B. der aus Dagestan stammende Nuri, der in einem Flüchtlingsheim in Gifhorn aufwuchs und der Rapper Hosain, der aus Afghanistan flüchten musste. Oder der Percussionist Sam aus Gambia, der in einem Heim in Reutlingen untergebracht ist. Durch ihre Musik und ihre selbst verfassten Texte, haben die Musiker die Möglichkeit, dem Konzertpublikum und somit auch uns als Zuschauer, ihre Situation vor Augen führen. Und so nutzen die (in weiten Teilen extrem begabten) jungen Menschen ihre Musik als Ausdrucksmittel, um über ihre Schicksale, aber auch Wünsche und Hoffnungen zu berichten. Oelkers verzichtet angenehmerweise darauf, die Flüchtlinge als bemitleidenswerte Opfer dazustellen oder allzu sehr auf die Tränendrüse zu drücken. Sachlich und mit dem nötigen Abstand, zeigt sie die Auftritte der Musiker und lässt die musikalischen Darbietungen für sich selbst sprechen.

Auffällig ist auch, dass Oelkers selbst hier kaum in Erscheinung tritt. Sie enthält sich jeglicher Wertung, man hört und sieht sie nur sehr selten. Damit will sie DAS auf das Medium Film übertragen, was Band-Gründer Heinz Ratz auf musikalischer Ebene bereits vormachte: den Flüchtlingen eine Bühne, ein Forum bieten. In diesem Fall eben ein filmisches. Demzufolge fehlt auch ein einordnendes, erklärendes Voice-Over, das der Film aber auch gar nicht benötigt.

Geschmackssache ist indes die Art und Weise, wie Oelkers ihren Film zu Ende bringt: Das Ende ist offen gehalten und der Zuschauer erfährt nichts über den weiteren Verbleib oder die Zukunft der Flüchtlinge. Das mag der ein oder andere als extrem schade empfinden, schließlich wachsen einem die Protagonisten im Laufe der 85 Minuten ans Herz und man entwickelt Sympathien für jeden einzelnen. Auf der anderen Seite ist dies aber auch als ein nur konsequentes Verhalten der Filmemacherin zu werten, die den Zuschauer ebenso im Unklaren lässt wie die Politik die Flüchtlinge. Schließlich weiß keiner der Musiker, ob und wie lange er sich noch in Deutschland aufhalten darf. Daher ist es nur fair, dass auch der Kinobesucher auf diese Information verzichten muss.

Fazit: Ebenso konsequente, mitreißende Doku über die Kraft der Musik wie erschütternde Zustandsbeschreibung der deutschen Flüchtlings-Politik.




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