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Kritik: Visions (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Das Ende eines Films sollte raffiniert gebaut sein, da der Zuschauer nach dem Verlassen des Kinosaals vor allem die letzten Eindrücke mit sich herumträgt. Dass eine recht gelungene Auflösung aber noch lange nicht die halbe Miete ist, beweist der Mystery-Thriller "Visions", der zu den schwächeren Genrewerken aus der Schmiede des nimmermüden Horrorproduzenten Jason Blum ("Paranormal Activity", "The Visit") gehört. Große Erwartungen waren von vornherein nicht angebracht, hatte doch mit Kevin Greutert ein wenig ambitionierter Handwerker die Inszenierung übernommen. Die beiden fragwürdigen Folterstreifen "Saw 6" und "Saw 3D – Vollendung" waren die ersten Regiearbeiten des gelernten Cutters, auf die mit "Jessabelle – Die Vorhersehung" 2014 eine höchst durchwachsene Südstaaten-Schauergeschichte folgte.

"Visions", der in den USA keinen Kinostart erhalten hat, ist der erneute Versuch, atmosphärischen Grusel zu erzeugen, was einmal mehr nicht recht gelingen mag. Am Einstieg liegt es dabei nicht, der den Zuschauer die Desorientierung der Protagonistin nach dem schweren Unfall hautnah miterleben lässt. Sind die wichtigsten Koordinaten einmal abgesteckt, werfen Greutert und seine Autoren L. D. Goffigan und Lucas Sussman allerdings rasch mit klischierten Mustern um sich, anstatt die existenzielle Verunsicherung der schwangeren Eveleigh genauer zu beleuchten. Passend dazu sorgt Hauptdarstellerin Isla Fisher mit ihrem wenig mitreißenden Spiel dafür, dass der Zuschauer irgendwann das Interesse am Schicksal ihrer Figur verliert. Ein schwerwiegendes Problem, auch und gerade in einem Horrorfilm, der eigentlich auf angsterfülltes Mitfiebern angewiesen ist.

Spannung soll entstehen, indem mexikanische Landarbeiter mysteriöse Dinge raunen. Und aufrütteln will uns Greutert mit soliden, aber konventionellen Schockmomenten, die jedes Mal von übermäßig krachenden Soundeffekten begleitet werden. Abwechslungsreiches und subtiles Gruselkino sieht definitiv anders aus! Hat man den zähen Mittelteil schließlich überstanden, wartet immerhin ein halbwegs überraschender Twist auf den Betrachter, der dem Geschehen endlich etwas Leben einhaucht. Das Verhalten der Akteure sollte man dabei freilich nicht hinterfragen, da die Drehbuchlogik alle Handlungen bestimmt. Amüsant ist hier vor allem die Tatsache, dass Eveleighs beste Freundin Eileen nach langer Abwesenheit plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint, obwohl sie nichts Wichtiges beizusteuern hat. Was "Desperate Housewives"-Star Eva Longoria an der komplett überflüssigen Rolle gereizt hat, lässt sich rational wohl nicht erklären.

Am Ende bleiben allenfalls die halbwegs gewitzte Auflösung und die schön anzuschauenden Bilder der lieblichen Weinlandschaft in Erinnerung. Verdenken kann man es dem Zuschauer aber nicht, wenn er den achtlos heruntergeleierten Geisterspuk schon am Kinoausgang wieder vergessen hat.

Fazit: Wenig Spannung, brachial aufgezogene Schockeffekte und eine Bedrohung, die mit der Zeit immer weniger fesselt – auch ein recht gelungener Schlusstwist kann dieses uninspirierte Horror-Fließbandprodukt nicht wirklich aufwerten.





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