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Kritik: Watchtower (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die aus Istanbul stammende Regisseurin Pelin Esmer inszenierte dieses kleine aber sehr feine Drama über zwei einsame Seelen, die sich in der Abgeschiedenheit Anatoliens näher kommen. Esmer hat sich bisher hauptsächlich als Doku-Filmerin einen Namen gemacht. Ihre Dokumentation "The Play" gewann 2005 viele Preise, darunter den "The Best New Documentary Filmmaker Award" auf dem Tribeca-Film-Festival. Mit "Watchtower" beweist sie nun eindrucksvoll, dass sie durchaus auch ein Händchen für melancholische Geschichten voller empfindsamer Protagonisten in Spielfilmlänge hat. "Watchtower" erlebte seine Premiere bereits auf dem Toronto-Film-Festival 2012, mit fast zweijähriger Verspätung kommt dieses gefühlvolle Drama, das sich durch ein feines Gespür für seine Figuren auszeichnet, endlich in die deutschen Kinos.

Die Regisseurin siedelt ihren Film und damit die reduzierte Handlung an zwei Orten an, an denen sich fast die gesamte Handlung abspielt. Zum einen tief unten im Tal des 20 000-Einwohner Städtchens Tosyan am Schwarzen Meer. Die Menschen dort sind einfach gestrickt und wortkarg, hier haben die Männer das Sagen und die Frauen sich unterzuordnen. Um Internet und Medienvielfalt ist es schlecht bestellt an diesem Ort, der alles andere als modern und technisiert ist. An diesen althergebrachten, fast schon steinzeitlichen Strukturen droht auch die introvertierte Seher zu zerbrechen, die in der Gegend durch begleitete Busreisen versucht, ihr Gehalt aufzubessern.

Der zweite Hauptort der Handlung ist der abgeschiedene, einsam gelegene Wachturm von Nihat oben in den Bergen. Der Arbeitsplatz scheint perfekt zu seinem Wächter zu passen, ebenso wie der Ort erweist sich nämlich auch Nihat als einsam und abgekapselt von seinen Mitmenschen. Im Zentrum des Films steht ganz klar die Annäherung der beiden Einzelgänger und zarten Seelen, Nihat und Seher, die mehr gemeinsam haben als es auf den ersten Blick scheint. Auch wenn sich Handlung und die Figurencharakteristika eher harmlos anhören: Es ist eine große Freude und extrem spannend, den beiden Exoten dabei zuzusehen, wie sie in dem archaischen, auf Traditionen setzenden Umfeld versuchen, ihr Leben zu meistern. Im Laufe des Films wird der "Watchtower" immer mehr zum sehnsuchtsvollen Zufluchtsort, der Nihat und Seher Sicherheit und Schutz bietet.

Fazit: Liebevoll inszeniertes, gefühlsvolles Drama, das in einer abgelegenen anatolischen Berggegend angesiedelt ist.





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