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Kritik: Jersey Boys (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Hits von Frankie Valli und den Four Seasons dürfte wohl jeder schon einmal gehört haben. Songs wie "Sherry", "Big Girls Don't Cry", "Walk Like a Man" und "Can't Take My Eyes Off You" sind längst Evergreens, die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen. Über die Gruppe hinter den Songs hingegen war lange Zeit so gut wie nichts bekannt. Das änderte sich erst als 2005 das Musical "Jersey Boys" den New Yorker Broadway eroberte. In enger Zusammenarbeit mit den drei noch lebenden Mitgliedern der Four Seasons wurde hier zum ersten Mal und aus verschiedenen Blickwinkeln die bewegte Geschichte der erfolgreichen Popband erzählt.

Unter der Regie von Clint Eastwood entstand nun diese Spielfilmversion des mit vier Tony Awards ausgezeichneten Jukebox-Musicals. Eastwoods Film orientiert sich dabei ganz nah an der Musicalvorlage und auch die vier Hauptdarsteller sind bereits aus der Bühnenversion des Stoffes bekannt. Besonders bei den Gesangsparts wissen die Schauspieler zu überzeugen, allen voran John Lloyd Young in der Rolle des Frankie Valli.

Doch "Jersey Boys" hat definitiv mehr zu bieten als bloß einen stimmigen Soundtrack voller Ohrwürmer. Eastwood inszeniert die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Four Seasons als klassisches Hollywoodkino und setzt ganz auf Tugenden wie ein aufwendiges Setdesign, einen bis in die Nebenrollen hervorragend besetzten Cast und eine leicht nachvollziehbare, aber dennoch fesselnde Dramaturgie. Lediglich, dass die Protagonisten ab und zu die vierte Wand durchbrechen – also direkt in die Kamera zum Publikum sprechen und das Geschehen auf der Leinwand erläutern und kommentieren – irritiert in diesem beinahe altmodisch anmutenden Musicalfilm ein wenig.

Dass "Jersey Boys" so zahm und gediegen ist, möchte man Eastwood selten vorwerfen, überzeugt seine Tragikomödie doch vor allem in ihren heiteren Momenten mit viel Witz und einer angenehm schnörkellosen Regie. Bloß bei der Tragik hapert es das ein oder andere Mal, wirkliche Dramatik oder große Emotionen wollen selten aufkommen, wenn Scheidungen, Tode und existenzielle Krisen an den Protagonisten zerren. Das dürfte unter anderem auch daran liegen, dass viele Konflikte und Figuren arg klischeehaft bleiben. Speziell den stark aufspielen Nebendarstellerinnen wie Renée Marino als Vallis Ehefrau Mary hätte man vielschichtigere Rollen gegönnt.

Fazit: Clint Eastwoods Verfilmung des Broadway-Musicals "Jersey Boys" bietet handwerklich hervorragendes Hollywoodkino nach alter Manier. Besonders die Gesangseinlagen überzeugen rundum und lassen Schwächen wie unnötige Klischees und die fast schon biedere Inszenierung vergessen.





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