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Big Business - Außer Spesen nichts gewesen
Big Business - Außer Spesen nichts gewesen
© 20th Century Fox

Kritik: Big Business - Außer Spesen nichts gewesen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Drei Amerikaner führt eine Geschäftsreise nach Berlin. Dort bekommen sie Gelegenheit, ihr gestresstes Leben neu zu überdenken und ein wenig aus sich herauszugehen. Neu an der Komödie von Regisseur Ken Scott ("Starbuck") und Drehbuchautor Steve Conrad ("Das erstaunliche Leben des Walter Mitty") ist ihr ungewohnter Vergleich amerikanischer und europäischer Lebensart. Auf Dan, Tim und Mike wirkt Berlin wie eine Stadt von einem anderen Planeten, überall Kunst, Kultur, Demos, Sex, Drogen! Und in Hamburg finden die Leute nichts dabei, wenn sich Männer und Frauen in einer Sauna nackt gegenübersitzen! Eine Deutsche mit entblößten Brüsten fordert Vince Vaughns Charakter auf, seine amerikanische Verklemmtheit abzulegen. Der Mann wäre nicht er selbst, hätte er damit wirklich ein Problem – aber dass Mike aufgeregt auf nackte Frauen zeigt und ruft, er sehe eine Poritze, deutet dann doch auf eine andere Sozialisation hin.

Die Komödie stellt sich amerikanischen Problemen und Defiziten, auch beim Thema Berufsstress. Dan ist nur selten für seine Familie da, und obwohl beide Kinder in der Schule Ärger haben, findet er kaum Zeit, sich um sie zu kümmern. Auch jetzt muss er in einem Moment häuslicher Not auf Reise gehen – und die dauert nicht wie erwartet einen Tag, sondern viel länger. Mit jeder neuen Verzögerung wächst auch beim Zuschauer der Ärger über die Arroganz und Gleichgültigkeit zum Beispiel des potenziellen Geschäftspartners Jim, der den drei Männern Umwege aufbrummt und sie hinhält. Nicht nur den erfahrenen Tim beschleicht irgendwann die Ahnung, dass all das umsonst sein könnte und die drei ihre Zeit vergeuden. So ist diese Reise eine Art moderner Odyssee, eine Irrfahrt, die durchgezogen werden muss: Einmal verpasst Dan einen Gesprächspartner, weil der gerade nach St. Louis geflogen ist, woher Dan extra angereist kam... Die bange Frage, wie viel Unsinn in einer Geschäftsreise steckt, während es daheim wichtige Dinge zu regeln gäbe oder das Leben schlechthin verpasst werden könnte, liefert dem Film Munition für satirische Schärfe. Auch der von Nick Frost gespielte Bill, Jims Assistent, kann ein Lied über beruflich verursachte Einsamkeit singen.

Weil in Berlin alle Hotelzimmer belegt sind – ein europäisches Gay-Festival, der Weltwirtschaftsgipfel und der Stadtmarathon finden statt – landet Dan in einer Museumsinstallation, in der ihm die Leute durch Glaswände zuschauen, wie er telefoniert, auf dem Bett liegt. Auch dank der guten Schauspieler gelingt dem Film eine attraktive Balance zwischen deftigen Witzen, die schon mal zotenhaft werden können, und einer überzeugenden Realitätsnähe.

Fazit: Die Komödie mit Vince Vaughn über drei amerikanische Geschäftsmänner auf Berlinreise nimmt den Arbeitsstress und kulturelle Unterschiede satirisch ins Visier. Trotz des deftigen Humors verfügt sie auch über ein beachtliches Maß an Realismus, das ihr erst die richtige Würze verleiht.




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