VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Im Labyrinth des Schweigens
Im Labyrinth des Schweigens
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Im Labyrinth des Schweigens (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 1 / 5

Es ist wirklich ein staatstragendes Sujet, dessen sich der Regisseur und Drehbuchautor Giulio Ricciarelli mit seinem Langfilmdebüt angenommen hat. Als erster deutscher Spielfilm erzählt "Im Labyrinth des Schweigens" nämlich die Vorgeschichte zu den Frankfurter Auschwitzprozessen, die zu Beginn der 1960er Jahre stattfanden, aber heute beinahe vergessen scheinen. Frei nach den wahren Begebenheiten inszeniert Ricciarelli nun ein Psychodrama um seinen fiktiven Helden Johann Radmann und lässt diesen dabei auf eine Reihe von bekannten historischen Persönlichkeiten wie Fritz Bauer und Thomas Gnielka treffen. Die Verquickung von typischer Kinounterhaltung mit dem Anspruch auf die Vermittlung von Hintergrundwissen sowie einem authentischen Zeitbild erweist sich dabei allerdings leider als durch und durch misslungener Fall von Relevanzkino.

Denn außer seinem bislang von Filmemachern ignorierten Thema kann "Im Labyrinth des Schweigens" nichts vorweisen, was einen Kinobesuch rechtfertigen könnte. Statt eines faszinierenden Labyrinths voller menschlicher und gesellschaftlicher Abgründe bietet der Film nämlich lediglich eine generische Heldenreise, die schnurstracks und völlig frei von Überraschungen abgeklappert wird. Das schematische Drehbuch treibt den hölzern agierenden Hauptdarsteller Alexander Fehling vom naiven Jungen zum gestandenen Mann mit Frau und Karriere und nutzt den zeitgeschichtlichen Hintergrund dabei vor allem als unerschöpflichen Quell für Rührseligkeiten und Betroffenheitskitsch.

Im Ton schwankt Ricciarellis Debüt unbeholfen zwischen aufgeblasenem Pathos und einer heiteren Harmlosigkeit, wie man sie aus Vorabendserien im Fernsehen kennt. Ebenso bieder wie belanglos gibt sich "Im Labyrinth des Schweigens" auch in Hinblick auf Soundtrack und Bildgestaltung, selbst das aufwendige Setdesign vermag den Bildern ihre Sterilität nicht auszutreiben.

Fazit: Giulio Ricciarellis bieder inszeniertes Stück Zeitgeschichte versucht mit einem relevanten Sujet zu beeindrucken, aber verliert sich dabei vollkommen in Kitsch und abgedroschenen Klischees.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.