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Hin und Weg
Hin und Weg
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Hin und Weg (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Man muss die Prämisse von "Hin und weg" schon schlucken oder großzügig über sie hinwegsehen, um sich auf den darauf folgenden Roadtrip einlassen zu können. Denn dass keiner seiner besten Freunde etwas von dem bereits zwei Jahre lang andauernden körperlichen Verfall des kranken Hannes bemerkt haben will, wirkt wenig glaubhaft, wo der Film seinen Protagonisten zudem doch von Anfang an oft keuchend und rasch erschöpft zeigt. Nach diesem unplausiblen, aber dramaturgisch noch zu rechtfertigenden Einstieg, wird bald klar, dass es dem Regisseur Christian Zübert und der Drehbuchautorin Ariane Schröder auch gar nicht um ein akkurat porträtiertes Krankheitsbild oder eine fundierte Diskussion der Sterbehilfe geht. Vielmehr nutzen sie die letzte Radtour einer Gruppe von Freunden, um mal wieder eine melancholische Tragikomödie über das Leben oder das, was man im deutschen Kino darunter versteht, zu erzählen.

Dabei überzeugt einzig und allein das prominent besetzte Ensemble des Films, zu dem neben Florian David Fitz als Todkranker auch Jürgen Vogel und in einer Nebenrolle Hannelore Elsner gehören. Mit sichtlicher Spielfreude hauchen die Darsteller ihren Figuren Leben ein, die dennoch recht stereotyp bleiben. Da gibt es den Aufreißer, der jede Nacht mit einer anderen Frau schläft, die überkorrekte Öko-Hausfrau samt liebenswert-plumpen Gatten, den jungen Wilden und natürlich im Zentrum der Geschichte das tragische, aber ansonsten makellose Liebespaar Hannes und Kiki. Bei diesem Überangebot an Figuren können viele der individuellen Konflikte nur oberflächlich angerissen werden, bei Hannes' Bruder Finn stellt sich sogar die Frage nach der Daseinsberechtigung der Figur.

Ähnlich wie in Marco Petrys "Heiter bis wolkig" (2012) durchleben die Figuren in "Hin und weg" vor dem Hintergrund eines angekündigten Todes eine Reihe von Episoden, die sich mal unbekümmert und ausgelassen, dann wieder bitterernst geben. Und genau wie Petrys Film erweist sich auch Züberts Ode an das Leben als wenig wagemutig und auf Konsens getrimmt: Das fängt beim allzu gefälligen und dadurch austauschbaren Soundtrack an und endet nicht erst bei den touristischen Deutschlandbildern von grünen Wäldern und idyllischen Gasthäusern. Ärgerlich und öde sind hier aber besonders die piefigen Vorstellungen von Lebensfreude und Verrücktheit, mit denen der Film sich schmückt. Da wird zum Bier am Lagerfeuer auch mal ein Joint geraucht oder es wird euphorisch im Schlamm getobt, als wäre es das höchste aller Gefühle. Die Grenzüberschreitungen der Figuren bleiben nicht nur stets harmlos und albern, letztlich dienen sie in "Hin und weg" nur der Festigung des Altbewährten und Normalen: Das entfremdete Ehepaar kommt sich nach dem Besuch im Puff wieder näher und Jürgen Vogels Auftritt in Drag dient letztlich bloß der Bestätigung seiner unantastbaren Heterosexualität.

Fazit: Eine wenig wagemutige und auf Konsens getrimmte Tragikomödie, die den Tod als Vorwand nimmt, um piefige Vorstellungen vom Leben auszubreiten. Lediglich die prominenten Darsteller können überzeugen.





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