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Kritik: Kreuzweg (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit dem Drama "Kreuzweg", das im diesjährigen (dem 64.) Berlinale Wettbewerb seine Premiere feierte, legen die Geschwister Anna und Dietrich Brüggemann ihren 4. gemeinsamen Film vor. Wie üblich, übernahm Anna Brüggemann dabei eine (diesmal kleine) Rolle, während Dietrich Brüggemann nach dem gemeinsam verfassten Drehbuch inszenierte. Gedreht in 14 Plansequenzen (also Sequenzen, die ohne Schnitt auskommen), von denen bei einem Teil auch weitgehend auf Kamerabewegungen verzichtet wird, kommt der Film einem Theaterstück sehr nah.

Die formale Strenge haben sich die Geschwister nicht willkürlich auferlegt, korrespondiert sie doch mit dem Inhalt: Erzählt wird die Geschichte der 14-jährigen Maria, die in einer christlich-fundamentalistischen Familie aufwächst. Kurz vor ihrer Firmung steigert sie sich, verblendet von ihrer eigenen Mutter und dem Pfarrer der extremistischen Gemeinde, in den Glauben herein, sich für ihren autistischen Bruder aufopfern zu müssen. Als "Soldatin Gottes" glaubt sie, jeder Freude und Annehmlichkeit entsagen zu müssen, was schließlich in einer ausgewachsenen Magersucht mündet. Die 14 Plansequenzen entsprechen dabei den 14 Kapiteln des Films, die sich wiederum an den 14 Stationen des Kreuzwegs Jesu orientieren - und wie der endet, dürfte bekannt sein.

Form und Inszenierung lassen das Drama überaus spröde erscheinen, dank der hervorragender Darstellerleistungen wirkt es aber umso eindringlicher. Hervorzuheben ist hier insbesondere die 14-jährige Newcomerin Lea van Acken als Maria, die auf ihren schmalen Schultern die Hauptlast des Films trägt. Ihr zur Seite stehen, ähnlich gut, Florian Stetter als herrlich demagogischer Pfarrer und Franziska Weisz in der Rolle der religiös verblendeten, kalten und strengen Mutter. Zu gute kam den Darstellern sicherlich das hervorragende Drehbuch, dessen Dialoge, bei aller Präzision und Treffsicherheit, nie theatralisch wirken und für das Dietrich und Anna Brüggemann zu Recht mit dem Silbernen Bären des Berlinale-Wettbewerbs ausgezeichnet wurden.

Fazit: Gelungenes, formal strenges und sprödes Arthouse-Drama nach hervorragendem Drehbuch mit großartigem Cast gedreht.





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