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Kritik: Meeres Stille (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Stefan Beuse ist ein verschachtelt inszeniertes Psychodrama für das Arthouse-Publikum. In einem einsamen Haus am Meer verschwimmen die Grenzen zwischen den Zeiten und auch zwischen der Außenwelt und dem Innenleben der Protagonisten. Von Anfang an gibt es im Spielfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Juliane Fezer Rätsel, die nicht aufgelöst werden, sondern sich weiter verdichten, während die zentrale Person, Helen, von beunruhigenden Wahrnehmungen heimgesucht wird. Und was hat es mit dem kleinen Jungen auf sich, der hier einmal lebte und dessen Geschichte parallel aufgeblättert wird?

Es gibt die verwirrendsten Verbindungen zwischen den beiden Handlungssträngen. Einmal ist der Junge allein zuhause und schlägt gegen die Rohre im Keller: In der Küche läuft plötzlich der Wasserhahn. In einer weiteren Szene sagt Frances in der Küche, hier sei alles voller Wasser. Ist das Mystery – irgend etwas mit Geistern? Und dann diese Szene am Strand, als Helen, Johannes und Frances Boccia spielen und der Junge und sein Vater auch dabei stehen, ohne wirklich dort zu sein. Zu all diesen Rätseln – Helen hört Geräusche, hat Flashbacks, Schmerzen und verliert vielleicht den Verstand – kommt für die Orientierung erschwerend hinzu, dass die Dreierfamilie kaum miteinander redet. Einmal bringt Frances das kommunikative Dilemma auf den Punkt: Es gebe hier nur "halbe Worte" und "dieses Riesengeheimnis".

Die Charaktere verhalten sich in ihrer Einsilbigkeit sehr merkwürdig. Helen wird von der dänischen Darstellerin Charlotte Munck eindringlich gespielt, so dass ihr inneres Drama streckenweise berührt. Der menschenleere Strand, das verwunschene Haus, der Herbst ergeben eine anregende Atmosphäre. Die eigenwillige Schnittführung und die extrem mysteriöse Handlung strapazieren jedoch auch die Geduld – wobei man schon dranbleiben muss, weil alle Erklärungen an der finalen Auflösung zu hängen scheinen. An dieser Familie und ihrem speziellen Problem scheiden sich die Geister, wie auch am Film selbst, der mal anspruchsvoll, mal überfrachtet wirkt, mal spannend sein kann und dann wieder frustrierend.

Fazit: Statt des erhofften Urlaubs erwartet eine Familie in einem alten Haus am Meer die Konfrontation mit einem lange verdrängten Geheimnis. Die Inszenierung von Juliane Fezer veranstaltet ein intensives Rätselspiel, in dem sich Realität, Erinnerung und Einbildung mischen und die Spurensuche durch die Schweigsamkeit der Charaktere erschwert wird. Das Psychodrama hat seine Reize, wirkt aber auch recht kompliziert und stellenweise ermüdend.




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