oder
Little Women
Little Women
© Sony Pictures

Kritik: Little Women (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Little Women" beruht auf dem gleichnamigen, Ende des 19. Jahrhunderts erschienenen Roman von Louisa May Alcott. Bis heute wurde der Stoff unzählige Male fürs US-Kino und -TV verfilmt, erstmals 1933. Die bis heute berühmteste Adaption ("Betty und ihre Schwestern", 1994) stammt von Gillian Armstrong. Für Schauspielerin und Filmemacherin Greta Gerwig ist "Little Women" nach "Lady Bird" der zweite Film als Regisseurin.

Greta Gerwig gelingt mit ihrer ganz eigenen Interpretation des klassischen Stoffs ein kraftvoller, mitreißender und prächtig ausgestatteter Film, der ganz auf sein leidenschaftlich aufspielendes Ensemble zugeschnitten ist. Das Beste daran: Gerwig bietet ihren Schauspielern Raum zur Entfaltung und besetzt sie gegen den Strich. So begeistert etwa die (sonst elfengleiche) Saorsie Ronan als jungenhafte, uneitel aber stets selbstsicher auftretende Jung-Schriftstellerin Jo, der Selbstverwirklichung und ein Auflehnen gegen die starren gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit wichtiger sind als ein perfektes Aussehen oder eine edle Robe.

Ihr in nichts nach steht "Midsommar"-Star Florence Pugh als spitzbübische Amy, die immer wieder als couragierte, für die Chance auf Emanzipation kämpfende Rebellin auftritt – und damit zur idealen Identifikationsfigur taugt. Auch die Nebenrollen sind hervorragend besetzt: Laura Dern kann Akzente als behütende, sich um das Wohl ihrer so unterschiedlichen Töchter sorgende Mutter setzen und Meryl Streep überzeugt als reiche Tante, die ihren Nichten mit (zeittypischen) Ratschlägen ("Du musst dich gut verheiraten") zu einem erfüllten Leben verhelfen will.

Gerwig beweist Mut, da sie sich hinsichtlich der Erzählstruktur nicht starr an die Vorlage hält: Sie hat sich für eine non-lineare Schilderung entschieden, bei der sie sich ausgewogen und stimmig zwischen den Zeitebenen (der filmischen Gegenwart und sieben Jahre später) hin- und her bewegt. Bei einer Laufzeit von knapp 135 Minuten kann jedoch auch Gerwig in ihrem sehr dialoglastigen Film gelegentliche Längen nicht ganz verhindern.

Fazit: Ebenso mutige wie einfühlsam umgesetzte Interpretation eines der wichtigsten Romane des 19. Jahrhunderts, mit einem grandiosen Ensemble und glaubhafter Ausstattung realisiert. Da ist die sich ab dem zweiten Drittel einschleichende Langatmigkeit leicht zu verschmerzen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.