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Kritik: Als wir träumten (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das auf dem gleichnamigen Erfolgsroman von Clemens Meyer basierende Drama "Als Wir Träumten" von Andreas Dresen verbindet eine für den Regisseur typische realistische Sozialstudie mit schmissig inszenierten Genreelementen zu einem wüsten Cocktail, der nur so vor prallem Leben vibriert. Der Film, der auf der 65. Berlinale 2015 im Wettbewerb lief, hat zahlreiche Berührungspunkte zu Sebastian Schippers "Victoria", dem anderen deutschen Wettbewerbsbeitrag. Beide Filme sind Dramen mit Thrillerelementen, welche einen betont realistisch-schnoddrigen Blick auf deutsche Jugendliche in der neuen Bundesrepublik werfen. Aber während "Victoria" sich im Verlaufe der Handlung immer stärker als ein klassischer Genrefilm - inklusive eines entsprechenden Figureninventars - entpuppt, bleibt "Als Wir Träumten" bis zum Schluss trotz allen Trubels stets betont uncool.

So taucht in "Victora" irgendwann ein Gangster, wie aus einem amerikanischen Mafiafilm auf, der die junge Spanierin Victoria stets nur als "bitch" anblökt. Dahingegen zeigt Dresen fünf schlecht gekleidete, verpickelte Durchschnittstypen, die einen Club gründen, der selbst zum Höhepunkt seines Hypes noch extrem nach Vorstadt riecht. Aber genau darin liegt die besondere Qualität dieses Films. Wer mit den ansonsten eher betulichen Filmen Dresens, wie "Halbe Treppe" und "Sommer vorm Balkon", nicht so viel anfangen konnte, dem wird sehr positiv auffallen, dass "Als Wir Träumten" wesentlich mehr Drive hat. Poppige Kapitelüberschriften mit Titeln, wie "Straßenköter" oder "Lottofee", wildes Stroboskopgewitter im Technoklub, knallrotes Licht auf nackter Haut im Strip-Lokal. Da ist schon etwas los. Aber zugleich atmet das Ambiente zu jeder Zeit tiefste Provinz, erschreckende Unbedarftheit und völlige Desorientierung. Diese Mischung kreiert eine eigenwillige Atmosphäre, die den eigenwilligen Reiz dieses Films ausmacht. Cool sind andere, "Als Wir Träumten" ist einfach nur sehr gut.

Fazit: "Als Wir Träumten" ist anarchisch, uncool, wild, lebensnah, voller Visionen und voller Tristesse; sprich ein Film, den man einfach gern haben muss.





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