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Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit
Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit
© Piffl Medien

Kritik: Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Protagonisten John May, der sehr leicht zur Karikatur werden könnte. Jedoch gelingt es Marsan, John Mays Alleinsein Würde zu verleihen und zugleich eine Leere in seinem Leben anzudeuten. Mr. May hat – wie die Verstorbenen, um die er sich kümmert – keine Familie und keine Freunde, er ist allein auf der Welt. Einzig die toten Menschen, um deren Beerdigungen er sich gekümmert hat, scheinen ihm Gesellschaft zu leisten. Er fühlt sich ihnen verbunden – durch das Alleinsein.

Dieses Alleinsein wird immer auch in den Bildern deutlich: Meist ist nur John May zu sehen, keine Menschen neben ihm, lediglich leere Straßen und Häuserfronten. Auch auf seinem Nachhauseweg sieht er einzig einen Mann, der immer aus seinem Fenster heraus sieht. Aber sie sprechen nicht miteinander, grüßen sich noch nicht einmal, sondern nehmen einander kaum wahr. Seine tägliche Routine gibt Mr. May Stabilität und Halt im Leben: das penible Anordnen der Büromaterialien, das sorgfältige Durchsehen der Sachen der Verstorbenen und die abendliche Dose Thunfisch. Als ihm sein Chef mitteilt, dass er zu langsam und zu teuer sei, so dass ihm gekündigt wird, reagiert er äußerlich gefasst, jedoch ist seinem Zögern anzusehen, dass er nun nicht weiß, was er tun soll. Den standardisierten Rat, diese Kündigung als Chance auf einen Neuanfang zu sehen, beherzt er aber durchaus – und trinkt erstmals keinen schwarzen Tee, sondern auf Rat der Kellnerin eine heiße Schokolade.

Diese Bilder wissen viel zu erzählen, oft verharrt die Kamera statisch und beobachtet, wie John im Zug sitzt, zur Seite blickt und nach oben, dann seine Tasche neben sich stellt, die dort aber nicht ruhig stehen bleiben will. Hier wird ohne Worte deutlich, wie viel Sicherheit ihm seine Arbeit und die Sachen der Verstorbenen verleihen. Wenn er die heiße Schokolade trinkt oder in eine Fleischpastete beißt, ist das Neue für John, der Ausbruch aus dem Alltäglichen zu erkennen. Hier wird John May zu einem vielschichtigen Charakter.

Jedoch vertraut Regisseur Uberto Pasolini seinen Bildern nicht gänzlich, sondern fügt formelhafte Sequenzen ein. Die Suche nach Angehörigen von Billy Stoke wird für John May zu einer Suche nach dem Sinn seines Lebens, nach einer Zukunft, die er sich bald auch an der Seite von Stokes Tochter (Joanne Froggatt) vorstellen kann. Ein erster Ausbruch wird durch das Ablegen der Krawatte deutlich. Hier hätte Pasolini eher auf Bilder setzen sollen, die zu überraschen vermögen. Denn das Pinkeln gegen das Auto des Chefs ist ein kurzer Gag, die Szene, in der sich John May möglicherweise aufhängt, bleibt indes in Erinnerung.

Insgesamt ist "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit" ein gemächlich erzählter und empfindsamer Film, der allein schon wegen Eddie Marsan sehenswert ist. Einzig die Schussszene hätte nicht sein müssen.

Fazit: "Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit" ist ein ruhiger Film über die Fragen, welche Spuren wir im Leben hinterlassen und was Einsamkeit ist.





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