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Bleed for This
Bleed for This
© Sony Pictures

Kritik: Bleed for This (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "Bleed for This" präsentiert der Drehbuchautor und Regisseur Ben Younger einen Sportfilm, der auf einer wahren Begebenheit beruht: Der 1962 in Rhode Island geborene Profiboxer Vinny Pazienza erlitt Anfang der 1990er Jahre bei einem schweren Verkehrsunfall einen Genickbruch, kehrte jedoch entgegen dem Rat seiner Ärzte in den Ring zurück und konnte dort abermals Erfolge feiern und diverse Titel gewinnen.

Wie bereits in der von ihm geschriebenen und inszenierten Liebeskomödie "Couchgeflüster" (2005), die im gegenwärtigen New York City spielte, lässt Ben Younger ein gutes Gespür für Atmosphäre und Milieu erkennen. Das familiäre Leben des Protagonisten mit italienischer Abstammung wird ebenso detailreich und humorvoll eingefangen wie die Welt des Profiboxens – sei es im leicht trashigen Glamour in Las Vegas, um im Rahmen einer Pressekonferenz im Caesars Palace den Show-Anteil des Sports zu zeigen, oder beim Training in der Halle beziehungsweise später im kleinen Keller der Familie Pazienza, um die extreme Körperarbeit zu beleuchten, die einem Boxer abverlangt wird. Vinnys bemerkenswerte Genesungs- und Comeback-Geschichte wird recht konventionell, nach gängigem Muster geschildert; interessant ist indes, wie Younger und sein Kameramann Larkin Seiple ("Swiss Army Man") Farbe – insbesondere Braun-, Beige- und Gelbtöne – einsetzen, um das Setting im New England der ausklingenden 1980er und beginnenden 1990er Jahre zu charakterisieren. An die Wucht von Subgenre-Klassikern wie John G. Avildsens "Rocky" (1976) oder Martin Scorseses "Wie ein wilder Stier" (1980) vermag "Bleed for This" nicht heranzureichen – dennoch gelingt es hier, Vinnys Schmerz und unerschütterlichen Willen für uns als Zuschauer_innen spürbar zu machen. "He's willing to die in this ring", heißt es an einer Stelle – und man glaubt es sofort. Dies ist nicht zuletzt den superben schauspielerischen Leistungen zu verdanken.

Miles Teller, der spätestens seit seiner engagierten Performance in "Whiplash" (2014) zu den verheißungsvollsten Nachwuchstalenten in Hollywood zählt, wirft sich mit maximaler Intensität, mit viel Witz und zugleich mit erstaunlicher Härte sowie Rastlosigkeit in den Part des Jungboxers; er gibt Vinny nicht als strahlenden, rundum liebenswürdigen Helden, sondern als Underdog mit Lederjacke, Goldkette und Macho-Attitüde, der sich jedwedes Selbstmitleid verbietet. Aaron Eckhart ("The Dark Knight") – welcher als Vinnys versoffener Trainer Kevin kaum wiederzuerkennen ist – liefert eine solide Interpretation; Katey Sagal, die schon zahlreiche Mutterfiguren (etwa in den TV-Serien "Eine schrecklich nette Familie", "Meine wilden Töchter" und "Sons of Anarchy") verkörpert hat, sorgt als Vinnys Mom für die schönsten Passagen des Films und verleiht dem oftmals allzu schroffen Geschehen die nötige Emotionalität. Mit Ciarán Hinds ("München") als zunehmend besorgtem Vater und Ted Levine ("Monk") als Box-Manager ist "Bleed for This" auch in weiteren Rollen vorzüglich besetzt.

Fazit: Ein ordentlich erzähltes Biopic im Box-Milieu – mit Sorgfalt und einem Blick für Details in Szene gesetzt, zudem stark gespielt.




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