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Gott verhüte!
Gott verhüte!
© Neue Visionen

Kritik: Gott verhüte! (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Begriff der Balkon-Komödie ist mittlerweile untrennbar mit dem Namen des bosnischen Regisseurs Emir Kusturica ("Schwarze Katze, Weißer Kater") verbunden. Der kroatische Filmemacher Vinko Bresan ist hingegen noch recht unbekannt. Im Gegensatz zu den überdrehten Filmen des wilden Bosniers wirkt Bresans Tragikomödie "Gott verhüte!" ungleich zurückhaltender. Aber dies betrifft nur die hier karikierte konservativ-katholische Oberfläche. Im Untergrund brodelt es dafür umso mehr und irgendwann bricht das große Chaos aus...

Vinko Bresan verbindet Subtilität und Irrsinn, feine Beobachtungen und groben Klamauk. Das kleine Dorf auf der abgelegenen Insel, über dem stets die blendent-heiße Sonne Dalmatiens scheint, wirkt wie aus der Zeit gefallen. Das Leben scheint hier seit Jahrhunderten fast unverändert seinen immer gleichen Gang zu gehen. Die Gesellschaft wirkt wie erstarrt. Deshalb versteht man das ungläubige Staunen von Pfarrer Fabian, als der Kioskbesitzer Petar ihm das heimliche wilde Treiben der Dorfbewohner schildert. Aufgrund seines Kondomverkaufs hat Petar mehr als jeder andere den Überblick, wer es mit wem wie oft treibt und wer als einziger ein Kondom in Übergröße kauft.

Um da noch durchzublicken pinnen Fabian und Petar einen ganze Wand voller Zettel, auf denen das Liebesleben von Pfarrer Fabians Schäfchen anhand komplexer Diagramme dargestellt ist, die in ihrer Gesamtheit die kleine verschlafene Gemeinde als großen Sündenpfuhl enttarnen. Mit fachmännischem Blick decken die beiden Undercoveragenten in Sachen Wachstum der Kirchengemeinde dunkle Punkte auf und arbeiten heraus, wo von ihrer Seite her noch akuter Handlungsbedarf besteht. Der göttliche Aspekt ihrer geheimen Mission ist dem rassistischen Apotheker hingegen denkbar egal. Er unterstützt das Projekt nur, weil er sich überzeugen lässt, dass auf diese Weise nicht die Anzahl von Fremden – Serben gar – wächst, sondern die von grundanständigen Kroaten.

Somit ist "Gott verhüte!" in Wirklichkeit viel weniger harmlos, als der Film einen Glauben machen möchte. Aber der Glaube ist hier sowieso das größte Problem und die Katholische Kirche wird hier gnadenlos demontiert. Als irgendwann Gerüchte das Festland erreichen, dass der junge neue Pfarrer eine Rolle in einem unsittlichen Treiben spielt, bekommt Fabian Besuch vom örtlichen Bischof. Der will jedoch nur wissen, ob Pädophilie im Spiel ist. Als Fabian glaubhaft verneint ist die Sache für den Bischof auch gleich wieder erledigt. Eine Verletzung des Zölibats ist keiner weiteren Rede wert, solange dabei nicht auch noch weltliche Gesetzte verletzt werden, was der Kirche weitere Probleme bereiten könnte.

Der allgemeine Ton wird im letzten Drittel des Films unvermutet so ernst, dass die Handlung in eine Tragödie kippt. Doch ist dieser Wandel zu unentschlossen, um ganz überzeugen zu können. Erst ganz am Ende gibt es eine letzte bittere Pointe, die wieder einiges an zuvor verlorenen Boden wettmacht.

Fazit: "Gott verhüte!" ist eine angenehm trockene und zugleich überzogen-groteske Komödie, die sich leider gegen Ende in eine etwas seichte Tragödie verwandelt.




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