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Wir sind die Neuen (2014)

Deutsche Komödie: Eine WG ehemaliger Studenten um die 60 und eine WG junger Studierender werden Nachbarn im selben Haus. Rasch wird deutlich: Jung sein einst und jetzt – das sind zwei völlig verschiedene Dinge...Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
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Anne (Gisela Schneeberger) muss ihre Berliner Wohnung für eine Studentin räumen. Um in der teuren Stadt bleiben zu können, will sie ihre alte Studenten-WG nach 35 Jahren wieder aufleben lassen. Von den damaligen Mitbewohnern sagen der sozial engagierte Anwalt Johannes (Michael Wittenborn) und der Draufgänger Eddi (Heiner Lauterbach) zu. Stolz ziehen die Drei, die inzwischen um die 60 Jahre alt sind, in ihre neue Mitwohnung und rufen den drei Studenten, die ein Stockwerk über ihnen leben, zu: "Wir sind die Neuen!" Aber ihre Enttäuschung ist groß, als sie die junge WG kennen lernen. Die Jura-Studenten Katharina (Claudia Eisinger) und Thorsten (Patrick Güldenberg) und die Kunstgeschichte-Studentin Barbara (Karoline Schuch) erklären ihnen klipp und klar, dass sie nur ihre Ruhe wollen und für nachbarschaftliche Kontakte keine Zeit haben.
Schon wenn die Neuen nur in ihrer Wohnküche reden, klopfen die Studenten über ihnen genervt. Mit jedem Tag wird es klarer: Eine lockere, spaßorientierte WG wie in den Siebzigern und eine Gemeinschaft disziplinierter, leistungswilliger Studenten von heute passen einfach nicht zusammen. Gerade als die Situation unerträglich zu werden droht, kommt von oben die Bitte, etwas zu essen zu besorgen: Denn Katharina hat Angst, die Prüfung nicht zu schaffen, Barbara versinkt in Liebeskummer und Thorsten hat es mit dem Rücken.

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Zuerst denken die drei Sechzigjährigen, dass sie auf die jungen Studenten im Haus vielleicht zu wenig cool wirken. Aber als sie beim Antrittsbesuch aufgefordert werden, die Schuhe auszuziehen, erkennen sie, dass nicht sie die Spießer sind. In seinem dritten Film nach "Shoppen" und "Der letzte schöne Herbsttag" vergleicht Ralf Westhoff zwei Wohngemeinschaften, die aufgrund des Altersunterschieds Welten trennen. Während sich Anne, Johannes und Eddi immer noch easy geben, wie in ihrer unangepassten Uni-Zeit vor 35 Jahren, sind Katharina, Barbara und Thorsten ordentlich und zielstrebig. Sie haben nur ernsthafte Dinge wie Lernen im Kopf.

Die Geschichte wird aus der Perspektive der reiferen WG erzählt, so dass die Jungen hauptsächlich als übermotiviert und stressanfällig auffallen. Die ehemaligen Studenten der Siebziger gestalten ihr Zusammenleben im Stil von einst, locker und spontan. Aber sie geraten auch ein wenig ins Grübeln, angesichts der Vorwürfe, die ihnen die heutigen Studenten an den Kopf schleudern. Anne hat 18 Semester studiert, oder war zumindest so lange eingeschrieben. Johannes ging auf Demos, wenn er nicht gerade seinen Rausch ausschlief. Nun arbeitet er aus Idealismus für Klienten, die kein Geld haben, und die Biologin Anne hat ihr Engagement für Schleiereulen auch nicht reich genug gemacht für eine eigene Wohnung im Berlin der Gegenwart.

Der Humor speist sich hauptsächlich aus der Umkehrung des Klischees von den lauten Jungen und den ruhebedürftigen Älteren. Aber allmählich nutzt sich der reichlich zugespitzte Kontrast der beiden WGs etwas ab und den Jungen gehen die Schmähungen aus. Die bestehen allzu oft bloß darin, dass ihnen die Zukunft gehört. Die Nachbarschaftshilfe, die sich im Schlussteil entwickelt, wirkt dramaturgisch bemüht. Am besten funktioniert der muntere Klischeereigen, wenn die drei Älteren unter sich sind. Aus den selbstironischen Dialogen klingt immer wieder eine ansteckende Sehnsucht nach der wilden Jugend durch. Man fragt sich dabei ein wenig bang, in welchen Erinnerungen die braven Studenten von heute einmal schwelgen werden...

Heiner Lauterbach, der den drahtigen Draufgänger spielt und Michael Wittenborn als der softere Johannes geben der Komödie mit ihrer lebhaften Darstellung Pfeffer. Gisela Schneeberger wirkt ebenfalls sympathisch, aber sie bekommt kaum Gelegenheit, die schnippisch-egoistische Macherin herauszukehren, die in Kabarett- und Satiresendungen ihr Markenzeichen wurde. Insgesamt flacht die vergnügliche Schmunzelkomödie mit zunehmender Dauer inhaltlich ab. Die Figurenzeichnung hätte auch mehr Substanz vertragen können. Außerdem lässt schon die allzu rockige Musik die Handlung im Vergleich unvorteilhaft blass aussehen.

Fazit: In Ralf Westhoffs dritter Komödie lehrt eine WG von Sechzigjährigen drei Studenten von heute das Fürchten: Die sympathischen reiferen Semester rufen die Sehnsucht nach der wilden alten Zeit wach, aber das hübsche Thema wird ein wenig oberflächlich behandelt.




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Land: Deutschland
Jahr: 2014
Genre: Komödie
Länge: 91 Minuten
FSK: 0
Kinostart: 17.07.2014
Regie: Ralf Westhoff
Darsteller: Gisela Schneeberger als Anne, Heiner Lauterbach als Eddi, Michael Wittenborn als Johannes
Verleih: X Verleih

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