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Kritik: Conjuring 2 (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

An den Kinokassen entpuppte sich der stimmungsvolle Spukhausfilm "Conjuring – Die Heimsuchung" 2013 als Überraschungshit, was seine Macher umgehend veranlasste, eine baldige Fortsetzung anzukündigen. In die Vorfreude auf eine weitere Schauermär rund um die real existierenden US-Dämonologen Ed (Patrick Wilson) und Lorraine Warren (Vera Farmiga) mischte sich eine gehörige Portion Skepsis, da gerade im Horrorgenre viele Sequels als bloße Gelddruckmaschinen dienen und über dürftige Kopien nicht hinauskommen. Einen ordentlichen Gewinn versprechen sich Regisseur James Wan und seine Kollegen natürlich auch von "Conjuring 2". Glücklicherweise lassen sie dabei aber nicht außer Acht, welche Zutaten es für einen packenden Gruselfilm braucht.

Wie schon im Vorgänger bemüht sich das Drehbuch um eine differenzierte Zeichnung der Protagonisten. In einem ersten Erzählstrang treffen wir erneut auf das Ehepaar Warren, das seine paranormalen Forschungen vorübergehend einstellt, nachdem Lorraine immer wieder von unheimlichen Visionen verfolgt wird. Parallel dazu führt uns eine zweite, auf dem berühmten Enfield-Spukfall basierende Plot-Line in den bedrückenden Alltag der Hodgson-Familie ein, die spürbar unter dem Weggang des Ehemanns und Vaters leidet. Erst nach einer knappen Stunde lassen Wan und seine Koautoren die beiden Handlungsfäden zusammenlaufen und steigern im Folgenden noch einmal die emotionale Kraft, die der Film von Anfang an entfaltet. Berührend ist etwa, dass wiederholt das vertrauensvoll-zärtliche Verhältnis der Warrens in den Blick gerät, die sich als Außenseiter buchstäblich gesucht und gefunden haben. Ergreifend sind auch die Momente, in denen die Verunsicherung der elfjährigen Janet Hodgson nach den ersten dämonischen Attacken greifbar wird. Ein großes Lob gebührt an dieser Stelle Madison Wolfe, die die wachsende Panik ebenso überzeugend vermittelt wie die wilde Entfesselung im Zustand der Besessenheit. Das facettenreiche, eindringliche Spiel der jungen Darstellerin macht es dem Zuschauer leicht, mit dem Mädchen mitzufühlen.

Wirklich gelungen ist ein Horrorfilm freilich nur dann, wenn er eine beunruhigende Stimmung erzeugen kann und wirkungsvolle Schockeffekte zu bieten hat. Ähnlich wie im ersten Teil lässt uns Wan mit einer braunstichigen Optik und einem detailreich-authentischen Set-Design in die 1970er Jahre abtauchen und ruft beim Betrachter ganz bewusst Erinnerungen an das Gruselkino dieser Dekade hervor. Filme wie den Haunted-Haus-Streifen "Amityville Horror", der den bekanntesten, im Prolog von "Conjuring 2" explizit thematisierten Fall der Warrens aufgreift. Dass man sich in die Zeit des klassischen Horrorfilms zurückversetzt fühlt, liegt auch an Bildgestalter Don Burgess, der seine Kamera des Öfteren wie eine geisterhafte Präsenz durch die Szenerie schweben lässt. Was die Jump-Scares betrifft, setzt Wan größtenteils auf altbewährte Mittel – beispielsweise aufschlagende Türen, durch die Luft wirbelnde Gegenstände und markerschütternde, dissonante Klänge. CGI-Effekte kommen häufiger zum Einsatz als im Ursprungswerk, wirken leider aber etwas plump und tragen daher nur bedingt zur intensiven Gruselatmosphäre bei. Auch wenn der Showdown ein wenig uninspiriert und hastig aufgelöst wird, überwiegt am Ende der positive Eindruck. Selten hat man in letzter Zeit eine Horrorfilmfortsetzung gesehen, die mit so viel Liebe zum Detail aufwarten konnte.

Fazit: Optisch ansprechend, atmosphärisch stimmig und mitunter erstaunlich berührend – sieht man von kleineren Drehbuchschwächen und etwas plumpen Computereffekten ab, bietet "Conjuring 2" fesselnde Gruselunterhaltung.




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