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Captain Marvel - Brie Larson
Captain Marvel - Brie Larson
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

TV-Tipps für Sonntag (26.9.): Brie Larson gerät zwischen die Fronten

Pro7 zeigt TV-Premiere "Captain Marvel"

Wer am Sonntagabend keine Lust auf Wahlberichterstattung hat, kommt auf Pro7 als Spielfilm-Fan voll auf seine Kosten: Zunächst zeigen die Unterföhringer im Hauptprogramm "Captain Marvel" als FreeTV-Premiere, bevor sie die Woche wohlig-gruselig mit "The Conjuring 2" im Nachtprogramm beschließen.

"Captain Marvel", Pro 7, 20:15 Uhr
Als Kriegerin eines außerirdischen Imperiums landet eine Frau (Brie Larson), die nach einem traumatischen Ereignis an Gedächtnisverlust leidet, auf der Erde. Dort weckt sie die Aufmerksamkeit der Antiterror-Organisation S.H.I.E.L.D. und begibt sich auf die Spuren ihrer Vergangenheit, während es eine Invasion feindlicher Aliens aufzuhalten gilt.

Der 21. Part des Marvel Cinematic Universe (MCU) brachte noch etwas Neues: Erstmals stand mit Carol Danvers alias Vers alias Captain Marvel eine Superheldin im Vordergrund und damit auch eine Hauptdarstellerin und erstmals war mit Anna Boden ("Missisippi Grind" / "Dirty Trip") eine Regisseurin verantwortlich. Sie inszenierte zusammen mit ihrem Regiepartner Ryan Fleck die 175 Millionen Dollar teure Walt Disney Studios-Produktion; das Haus mit der Maus hatte damit in guter Tradition den US-Fantasy-Film an Filmemacher vergeben, die bis dahin auch nicht annähernd in diesen Genre oder mit solchen Summen gearbeitet hatten.

Dass das MCU hier eine bewusst feministische Seite zeigen wollte, wie auch Titeldarstellerin Brie Larson nicht müde wurde zu betonen, sollte für Internet-Trolle Anlass genug sein, den Film dann bei seiner Aufführung in Grund und Boden zu stimmen, so dass sich Websites genötigt sahen einzugreifen.

In der Tat war die Entscheidung für eine Superheldin eine ganz bewusste, denn die Figur des Captain Marvel gab es in der Comic-Welt in mehreren Variationen, auch bei den Konkurrenten von DC-Comics, was sogar zu Rechtsstreitigkeiten über diesen Charakter geführt hatte. Marvel Films wählten nicht den 1967 erstmals erschienenen männlichen Captain Marvel aus, sondern sein 1977 debutiertes weibliches Pendant, die auch zu den Avengers zählte. Diese sollte eine Origin Story erhalten, die 1995 und damit vor den Ereignissen der meisten anderen MCU-Abenteuern spielt. Boden und Fleck nutzten für ihr Drehbuch vor allem die Handlung des Comics "Kree-Skrull War" aus dem Jahr 1971.

Als Bindeglied zu den anderen MCU-Teilen fungiert hier besonders SHIELD-Agent Nick Fury, der wieder von Samuel L. Jackson gemimt wurde. Ihn unterzogen die Spezialeffekte-Künstler einem digitalen Verjüngungsprozess, um die Figur der Handlungszeit Mitte der Neunziger anzupassen.

Nachdem die Planungen für "Captain Marvel" bereits 2013 begonnen hatten, wurden die Dreharbeiten mehrfach verschoben, weil andere MCU-Filme den Vorzug erhielten und zuerst gedreht wurden. 2018 endlich surrten die Kameras in und um Los Angeles sowie in New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana.

Wie schon andere Filmemacher vor ihnen zeigten sich Anna und Ryan dem Unterfangen mehr als gewachsen: Ihr Streifen ist voller Action, Humor und toller Bilder und verbindet die Herkunftsgeschichte der Heldin geschickt mit den inhaltlichen und formalen MCU-Merkmalen.

Die Kritiken waren 2019 gut, und vor allem stürmten die Zuschauer einmal mehr die Lichtspielhäuser: Mit weltweit 1,1 Milliarden Dollar wurde "Captain Marvel" ein Mega-Erfolg. Im kommenden Jahr soll die Fortsetzung "The Marvels" in die Kinos kommen.

Kritiker Joey Morona schrieb in "Cleveland Plain Dealer": "Der Film ist ein Wahnsinnsspaß - eine tolle Achterbahnfahrt voller Humor, Herz und lasterhaft-vergnüglicher Neunziger-Nostalgie, welche die Erwartungen an eine Herkunftsgeschichte auf den Kopf stellt."



"The Conjuring 2", Pro7, 01:05 Uhr
Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson), Forscher für paranormale Aktivitäten, reisen in den Londoner Norden, um einer alleinerziehenden Mutter (Frances O'Connor) mit vier Kindern zu helfen, in deren Haus ein Poltergeist zu leben scheint.

In Großbritannien erschien dieser US-Horrorfilm mit dem Zusatz "The Enfield Case". Auf der Insel ist der "Enfield Poltergeist" in die Folklore urbaner Mythen übergegangen. In den Jahren 1977 bis 1979 berichteten eine 13- und eine Elfjährige von Geisteraktivitäten in ihrem Haus in dem London Borough of Enfield, die es bis in die Zeitungen schafften. Mit den "Geisterjägern" Lorraine und Ed Warren aus den USA hatte das Ganze wenig zu tun, aber Regisseur und Drehbuchautor James Wan ("Aquaman") nahm die zeitgeschichtlichen Ereignisse als Aufhänger, um die Helden seines Erfolgsstreifens "The Conjuring" aus dem Jahr 2013 ein zweites Mal ins Rennen zu schicken.

Gedreht wurde die 40 Millionen Dollar teure New Line Cinema-Produktion in den Warner Bros. Studios im kalifornischen Burbank sowie vor Ort in London. Wan gelang es ein zweites Mal mit seinen exzellenten Darstellern und dank seines superben Handwerks, einen spannenden und Gänsehaut erzeugenden US-Horrorfilm darzubieten.

"The Conjuring 2" erhielt 2016 gute Kritiken und wiederholte mit 321 Millionen Dollar den Erfolg des Originals. Dass Wan sich gegen einen Dämon und für eine Nonne als Spukgestalt entschied, war insofern ein Geniestreich, weil diese als Ableger "The Nun" 2018 sogar noch erfolgreicher laufen sollte. Und mit "The Conjuring: The Devil Made Me Do It" ist ein dritter Part rund um die Warrens in diesem Jahr ebenfalls erfolgreich gewesen; in Deutschland ist er sogar - trotz Pandemie! - zum zuschauerstärksten der drei Teile geworden.

Kritiker Tim Brennan schrieb in "About Boulder": "James Wan hat sein eigenes Spukhaus gebaut, in dem er über jeden Aspekt die volle Kontrolle ausübt. Gedämpfte Farben, drohende Schatten und diabolisches Spielzeug wirken alle ineinander, um ein spürbares Gefühl des Bösen zu erzeugen."



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