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Kritik: Mit ganzer Kraft - Hürden gibt es nur im Kopf (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Die ganze Glaubwürdigkeit dieser Geschichte über die Teilnahme eines Vaters mit seinem behinderten Sohn am "Ironman"-Triathlon hängt davon ab, ob sie ein reales Vorbild hat. Und das gibt es, denn der französische Regisseur Nils Tavernier ließ sich von einem solchen Vater-Sohn-Gespann inspirieren, das gemeinsam unter anderem wiederholt am "Ironman" Hawaii teilnahm. Als Julien und sein Vater Paul am Strand von Nizza mit 2700 Athleten das 16-stündige Rennen starten, liegen 3,8 Kilometer Schwimmen im Meer, 180 Kilometer Radfahren durch die Alpen und 42 Kilometer Marathonlauf vor ihnen. Paul muss Julien in einem Schlauchboot durchs Wasser ziehen, das Tandemrad fahren und beim Marathon den Rollstuhl schieben.

Obwohl es auch viel um das Training auf dieses sehr anspruchsvolle Sportereignis geht, dreht sich die Geschichte viel allgemeiner um die schwierige Beziehung von Vater und Sohn. Denn nicht nur beim Triathlon, auch emotional hat das Duo enorme Probleme zu überwinden: Julien sehnt sich nach dem genauen Gegenteil des permanenten Ignoriertwerdens, das er von Paul gewohnt ist. Sobald hier die Dinge ins Rollen kommen, wehrt sich Mutter Claire dagegen, den Sohn loszulassen, den sie so lange alleine versorgen musste. Aber weil der Sport die Leidenschaft des Vaters ist, hängt er sich auf einmal mächtig in das Training mit dem Jungen hinein. Über das Körperliche und das sinnliche Gemeinschaftserlebnis in der Natur, im Rausch der Geschwindigkeit, bei Wind und Wetter, wachsen die beiden zu einem Team zusammen. Einmal macht Paul mit Julien einen kleinen Ausflug zu einem tosenden Wasserfall – allein schon in dem Bild, wie sie gemeinsam im Gras sitzen, drückt sich ihre neue, innige Beziehung aus, die Julien Flügel verleiht.

Jacques Gamblin spielt den Vater, der seine Gefühle für Julien wie nebenbei entdeckt, hervorragend. Der körperbehinderte Darsteller des Jungen, Fabien Héraud, ist jedoch die wahre Entdeckung des Films. Mit seiner natürlichen Ausstrahlung und dem unwiderstehlichen Lächeln erfüllt er die Geschichte ganz wesentlich selbst mit der nötigen Leidenschaft und Hoffnung. Tavernier versteht es als Regisseur sehr gut, die oft rein nonverbale Beziehung dieses Duos während des Trainings und des Triathlons emotional und authentisch, aber nicht rührselig zu inszenieren. Der reale "Ironman"-Triathlon, der 2013 in Nizza startete, diente dem Dreh tatsächlich als Schauplatz für einige spektakuläre Aufnahmen. Das Ergebnis ist ein bewegender Spielfilm, der ohne Sensationslust zeigt, was eine funktionierende Familie alles zu leisten vermag.

Fazit: Indem sie gemeinsam für den "Ironman"-Triathlon trainieren, begegnen sich ein Vater und sein körperbehinderter Sohn zum ersten Mal wirklich: Das bewegende Drama von Nils Tavernier verfügt über hervorragende Darsteller, die sich auch ohne viel Worte ganz natürlich und realitätsbezogen in die Herzen der Zuschauer spielen.




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