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Polder - Tokyo Heidi (2014)

Der Polder

Satirischer Spielfilm über die Macht, die von einem Computerspiel ausgeht.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 4 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der Spieleentwickler Marcus (Christoph Bach) von Neuroo-X stirbt während der Arbeit an seinem Roten Buch. Er wollte – die Handlung spielt einige Jahre in der Zukunft – verhindern, dass ein neuartiges Spiel auf den Markt kommt, welches die geheimen Sehnsüchte der User in die Handlung einbaut und die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit einreißt. Doch der Konzern entschied anders. Marcus' Lebensgefährtin Ryuko (Nina Fog) recherchiert nach, was in China bei den Tests des Spiels geschah. Aber dabei taucht sie selbst immer tiefer in das Spiel ein, wie ihr kleiner Sohn Walterli (Pascal Roelofse). Sie bekommt es nicht nur mit den Produzenten des Spiels, sondern auch mit übernatürlichen Wesen und Terroristen zu tun.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse3 / 5

Der schweizerische Spielfilm der Regisseure Samuel Schwarz und Julian M. Grünthal macht sich lustig. Über die Faszination, die Computerspiele auf Menschen ausüben, die lieber als Avatare durch die Gegend laufen, als sich mit der Wirklichkeit herumzuschlagen. Über das Geschäftsfeld Unterhaltung mit seinem Trend der Gamifizierung, der längst auch die Domäne des Films erfasst hat. Wer sich aber gamifizieren lässt, der muss sich nicht wundern, dass er gesteuert wird – von findigen Konzernen, Datensammlern, den eigenen Bedürfnissen, der paranoiden Welt des Postfaktischen. Die Regisseure verstehen den Film als Teil eines transmedialen Storytellingprojekts, das sich im Dialog mit dem Publikum und den Usern weiterentwickelt. Sie sagen, der Plot habe ihnen auch ein wenig die Angst vor einer Zukunftsvision mit einem allmächtigen Digital-Konzern genommen, "und sei es nur, weil wir den Alptraum schon vorgeträumt haben."

Eine Handlung im üblichen Sinn ist hier nicht zu erwarten, vielmehr können weder die Protagonisten, noch die Zuschauer mit Sicherheit wissen, was noch zur Ebene der äußeren Wirklichkeit gehört und was schon Teil des Neuroo-X-Spiels ist. Ryuko will die Wahrheit herausfinden, über das Böse, das Marcus angetan wurde, sich mit seinen Botschaften an sie beschäftigen. Sie ist aber auch Mutter und das Schicksal ihres Sohnes bestimmt zunehmend ihre Motivation. Marcus wollte aus dem Spiel heraus das Tor zur Freiheit finden, notfalls mit Gewalt. Mit seinen zahlreichen Wendungen, die auch die Charaktere selbst überraschen, bleibt der Film durchgehend rätselhaft und macht dabei einen gewitzten Eindruck.

Ryuko verwandelt sich zwischendurch in eine Person mit pinkfarbenen Haaren, die wie eine Comicfigur anmutet. Es gibt mit einer Schere verübte Gewaltakte, Schießereien in verschneiter Landschaft, eine einsame Hütte, ein altes Grand Hotel. Die zeitlichen Sprünge der Handlung, der ständige Dialog zwischen Realität und Spielebene sorgen für Spannung und Kopfzerbrechen. In Farbe gedrehte Szenen reihen sich an Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die Musik klingt oft düster und melodramatisch. Und dazu liefern die Neuroo-X-Entscheider zynische Sprüche über den Konsumenten im System. Na ja – in diesen schier endlosen Ideenschleifen hält sich aus Zuschauersicht der Erkenntnisgewinn doch in Grenzen.

Fazit: Die ideenreiche, satirische Auseinandersetzung der Filmemacher Samuel Schwarz und Julian M. Grünthal mit der Gamifizierung nimmt die Zuschauer mit auf einen schwindelerregenden Trip durch zukünftige Erfahrungswelten, die von Fiktionalisierung und Manipulation geprägt sind. Mit stilistischer Kreativität und verblüffenden Wendungen vertieft sich der Film genüsslich in einen wandlungsfähigen, alles verschlingenden Spielkosmos, vermeidet es aber, selbst Position zu beziehen.




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Land: Deutschland, Schweiz
Jahr: 2014
Genre: Science Fiction, Fantasy
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 01.12.2016
Regie: Julian M. Grünthal, Samuel Schwarz
Darsteller: Christoph Bach als Marcus, Nikolai Bosshardt als Techniker Hans, Arnold Bucher als Techniker
Verleih: Camino

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