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Der große Trip - Wild
Der große Trip - Wild
© 20th Century Fox

Kritik: Der große Trip - Wild (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Cheryl Strayed wanderte im Jahr 1995 auf dem Pacific Crest Trail von Südkalifornien bis hinauf nach Oregon. Der mutige Selbsterfahrungstrip geriet nicht nur zur physischen Herausforderung, sondern auch zur gründlichen Auseinandersetzung mit einer unbewältigten Vergangenheit. Ihr Bestseller "Wild" aus dem Jahr 2012 diente dem Film des kanadischen Regisseurs Jean-Marc Vallée für den der britische Autor Nick Hornby das Drehbuch schrieb, als Vorlage. Das Ergebnis ist ein von Reese Witherspoon hervorragend gespieltes Frauenporträt und ein Abenteuerfilm, in dem die zwischenmenschlichen Dramen viel wichtiger sind als die reine Naturerfahrung.
Wie Cheryl selbst, ist auch der Film weniger am Spiel der Wolken, dem Zug der Vögel oder dem Zirpen der Grillen interessiert, als an den mitgebrachten Erinnerungen. In der Einsamkeit der Tage durchlebt Cheryl viele Momente aus der Vergangenheit erneut. Ungebeten und mit Wucht drängen sich ihr frühere Erlebnisse auf, werden zu ihren ständigen Begleitern. Der spontane Wechsel zwischen dem Hier und Jetzt auf der Wanderung und den Rückblenden wirkt anfangs noch etwas mühsam, formt jedoch allmählich ein überzeugendes dramaturgisches Gerüst. Um Cheryls Gedankenstrom und Gefühlschaos zu demonstrieren, legt sich gelegentlich ihre Off-Stimme über die Aufnahmen. Auch überlappen kurze Sequenzen aus Liedern wie Simon and Garfunkels "El Condor Pasa", die Cheryl nur im Geiste hört, die Szenerie mit einem Hall-Effekt. Das erweist sich als hübscher Einfall, um zu zeigen, wie groß der Anteil ihrer Erinnerungen an ihrem Erleben ist, was sie in äußerlich ruhigen Momenten wirklich bewegt.

Gerade weil die Natur nicht im Zentrum des Interesses steht, sondern nur als Bühne und Katalysator für seelische Prozesse dient, kreist das Drama hauptsächlich um die Rückblenden. Auf dem Trail konzentriert sich die Handkamera dann entsprechend oft auf Reese Witherspoons Gesicht, um ihre Reaktionen einzufangen. Der Schauspielerin gelingt es eindrucksvoll, diese innere Auseinandersetzung, in der sich die Gefühle allmählich verschieben, miteinander versöhnen, ohne Worte auszudrücken. Cheryl erscheint dabei auch als pragmatische, humorvolle Frau. Vallées Inszenierung wirkt sehr authentisch und realitätsnah, auch in den Begegnungen mit anderen Menschen auf dem Trail. Manchmal ergeben sich intensive Momente, aber dann setzt Cheryl ihre Wanderung bewusst alleine fort. Ein berührender Film, der dank Reese Witherspoon noch eine Weile nachwirkt.

Fazit: Im spannenden Wechsel zwischen Outdoor-Abenteuer und innerem Drama verfilmt Jean-Marc Vallée den Selbsterfahrungstrip der Amerikanerin Cheryl Strayed, die fast 2000 Kilometer auf dem Pacific Crest Trail wanderte. Reese Witherspoon verleiht dem Frauenporträt überzeugende Lebendigkeit und bewegende Momente.




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