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Ben Hur
Ben Hur
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Ben Hur (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Ursprünglich sollte Superstar Tom Hiddleston ("Thor") die Rolle des Ben Hur übernehmen, am Ende aber verkörperte Jungstar Jack Huston (Enkel des legendären Hollywood-Regisseurs John Huston) die Rolle des tapferen Streitwagenfahrers. Gedreht wurde der Film in Italien, Regie führte der Kasache Timur Bekmambetov, der sich bisher vor allem als Action- und Fantasy-Regisseur empfahl ("Wächter der Nacht", "Wanted"). Der Film beruht auf dem Romanklassiker von Lee Wallace aus dem späten 19. Jahrhundert. Vorher gab es bereits eine ganze Reihe anderer Verfilmungen des Stoffs, u.a. ein Stummfilm von 1925 oder auch einen TV-Zweitteiler von 2010. Am bekanntesten ist jedoch der Sandalenfilm-Klassiker von 1959, mit Charlton Heston in der Hauptrolle, der mit sagenhaften elf Oscars prämiert wurde.

Zu keiner Zeit kommt das (Möchtegern-) Heldenepos auch nur ansatzweise an die Brillanz und die bildgewaltige Monumentalität des Klassikers von 1959 heran. Denn zu einem echten "Epos" fehlt es dem Film an den nötigen Schauwerten und wesentlichen erzählerischen Elemente sowie Handlungssträngen, die Regisseur Bekmambetov hier einfach weglässt. So verschweigt der Film etwa Ben Hurs Wander- und Lehrjahr in Rom, wo er zum gefeierten und fähigen Streitwagenlenker aufsteigt.

Dieser Umstand sorgt u.a. dafür, dass der Film dann auch wesentlich kürzer ausfällt als die bisherigen Verfilmungen, was sicherlich der Vorgabe geschuldet ist, den Film – hinsichtlich eines größtmöglichen kommerziellen Erfolgs – auf Zielgruppen-Kompatibilität zu trimmen. Notfalls mit Gewalt und notfalls unter Verzicht einiger wesentlicher Handlungsteile des Romans bzw. der Originalgeschichte, um "Ben Hur" nicht länger als 120 Minuten dauern zu lassen. Optisch fehlt es wie erwähnt zudem an echten visuellen Schauwerten, prächtigen Landschaften und prachtvollen Kulissen. Zwar kommt nicht alles aus dem Computer da Bekmambetov möglichst viel "Handgemachtes" bieten wollte, aber so richtig sehenswert und überzeugend ist lediglich – man ahnt es – das finale Wagenrennen geraten. Dieses hat es dann aber auch – bzgl. seiner schnellen Schnittfolge, Dynamik und Rasanz – in sich und stellt daher zu Recht den Höhepunkt des Films dar. Leider aber auch den einzigen. Denn auf allen anderen Ebenen ist der Film, wenn überhaupt, lediglich Mittelmaß.

Von den wenig charismatischen, oft zu ungelenk agierenden Darstellern (allein Hauptdarsteller Jack Huston fehlt es an darstellerischer Überzeugungskraft und Ausdruck) über die stocksteifen, nicht selten unfreiwillig komischen Dialoge bis hin zur Tatsache, dass der Film von einem evangelikalen Ehepaar, religiöse Hardliner, produziert wurde: dieser Umstand sorgt u.a. dafür, dass der Figur des Jesus hier eine viele zu tragende (aber leider dennoch unnötige) Rolle und damit übertrieben lange Leinwandzeiten zukommen.

Fazit: Kostspieliges, 100-Millionen-Dollar-Heldendrama mit nur einer echten gelungenen Action-Sequenz. Der Rest ist allenfalls durchwachsenes Sandalenfilm-Stückwerk ohne Atmosphäre, überzeugende optische Schauwerte und darstellerische Glanzleistungen.





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