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Ein Besonderes Bedürfnis
Ein Besonderes Bedürfnis
© farbfilm verleih

Kritik: (K)ein besonderes Bedürfnis (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Wer offensichtlich von der Mehrheit abweicht, wird schnell stigmatisiert. So wächst die Liste an Befindlichkeitsstörungen, die bereits als krankhaft gelten, ständig weiter an. Autismus zählt bereits zu den "schweren Entwicklungsstörungen". Hierunter fällt auch das Asperger Syndrom, eine leichte Form des Autismus, mit der z.B. das Mathematik- und Sprachgenie Daniel Tammet diagnostiziert wurde. Deshalb gibt es inzwischen eine Autistic-Pride-Bewegung, die - ähnlich, wie z.B. die Gay-Pride-Bewegung - für die Anerkennung ihrer Andersartigkeit als Ausdruck einer wirklich pluralistischen Gesellschaft kämpft. Sie meint, dass Autismus keine Krankheit, sondern eine Andersartigkeit mit speziellen Problemen, aber eben auch mit speziellen Stärken sei. So sind Autisten z.B. in der Regel sehr ehrlich, haben aber größte Probleme mit Smalltalk.

So ein Mensch ist Enea Gabino, den Carlo Zoratti in seinem Debütfilm "(K)Ein besonderes Bedürfnis" portraitiert. Carlos persönliche Beziehung zu Enea sorgt dafür, dass diese Dokumentation ein sehr warmherziger Film über wahre Freundschaft geworden ist. Carlo und Alex betrachten Enea als eine ihnen völlig gleichwertige Persönlichkeit, die nur ein paar sehr spezielle Schwierigkeiten hat. Dies kommt auch deshalb überzeugend rüber, weil Enea ein unheimlich sympathischer Charmebolzen ist. Als er anfangs immer wieder recht plump auf Frauen zugeht, ruft man ihm innerlich zu, wie jemanden, der gerade auf einen offenen Kanaldeckel zusteuert, die drohende Katastrophe jedoch nicht sieht. Wie den meisten Autisten fällt es Enea schwer seine Bedürfnisse und seine Gefühle in Worte zu fassen. Aber wenn es ihm doch gelingt, staunt man über seine große Offenherzigkeit. Am Ende ist nicht nur Enea für sich weitergekommen, sondern auch Carlo und Alex konnten etwas sehr Wichtiges von ihrem Freund lernen.

Fazit: Dem Film gelingt das Kunststück eine Thematik, die schnell peinlich berühren könnte auf eine sehr menschliche und sogar mitreißende Art zu transportieren.




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